Buschtraining Tag II

Nach den 16 Landungen vom ersten Tag (davon die meisten in Rhinopark), steuerten wir heute Sandrivier, Shona Langa und Haakdooring an – alles mehrfach, und Haakdoring zum Tanken. Auf dem Weg gab es ein paar „Berge“, und siehe da, die Holländer, ganz aus dem Häuschen. Ja das ist schon was anderes, als über Tulpenfelder zu fliegen, haha. Apropos, hier gibt es weiße Baumwollfelder. Und überhaupt, die Felder sind rund, das Bewässerungssystem zirkelt hier im Kreis. Günstig, da der Base Turn bei der einen Piste genau entlang des Feldes führte!

Im Anflug auf Haakdoring treffe ich einen kleineren Vogel, der nicht schnell genug ausweichen kann. Zuerst waren wir uns nicht sicher, da wir keine Berührung gespürt hatten. Beim Tanken wurde dann aber klar, dass der Propeller ihn sauber zersäbelt haben muss.

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Auf dem Rückweg dann „IFR“-Flug für Rick: I follow the river. Im Niedrigflug wird die Maschine nach oben getrimmt, so dass die Maschine bei einer Störung oder Abrutschen vom Steuer in vernünftigem Maße nach oben zieht – übrigens auch die Konfiguration für die Pistenchecks in wenigen Fuß Höhe. Das heißt, das Steuer muss zum horizontalen Fliegen konstant nach unten gepresst werden. Und dann heißt es, dem Fluss zu folgen… das ist Hardcore Kurventraining und braucht Kraft und Konzentration.

Kunkuru Lodge

Wir hausen jetzt also irgendwo im Nirgendwo, mit einer eigenen Piste. Die Kunkuru Lodge hat einiges zu bieten, nämlich nächtliches Löwengebrüll (wer das schonmal live gehört hat, weiß, dass man wachgeschüttelt wird) – und zwar von der eigenen Löwenzucht. Hinter zig-fach gesicherten Gittern werden sie aufs Auswildern vorbereitet.

Auf dem Gelände selbst warten liebliche Impalas auf uns, die nach stundenlangem Rumzögern dann sogar an uns schnuppern und vorsichtig gestreichelt werden. Nicht ganz so ein gutes Ende hat es mit dem Elefanten genommen, dessen Fuß nun auf der Bartheke sein Dasein fristet. Örks!

Wir brechen auf zur unseren Flugzeugen, das erfordert eine kurze Jeep Tour. Keine 10 Meter nach dem Tor steht die erste Giraffe und starrt auf uns hinab. Faszinierend!!

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Zuerst fahren wir die Piste mit dem Jeep ab, um nach Tieren oder neuen Beschädigungen zu spähen. Dann Flugzeuge fertig machen. Unsere Cessna braucht ihre tägliche Dose Öl: Clemens zeigt den Trick, das Öl seelenruhig entlang des Messstabes einlaufen zu lassen. Rick wischt noch ein wenig Staub und prüft schomal den Wind auf der Piste.

Dann noch ein kleines, aber buntes Gruppenfoto:

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V.l.n.r.: Flying Doctor Reinhard (Deutscher), Flugschulenchef und Flight Instructor Clemens (Österreicher), mein Copilot Rick (Holland), Flying Doctor Jan Robert (Holland), und ich (Deutsche). Foto gemacht von unserem Flight Instructor Glen.

Zur Feier des Tages trage ich mein Flugschulen-Hemd vom ÖSC Salzburg. Clemens begrüßt ausdrücklich die Anwesenheit der österreichischen Fahne auf der Piste! Jetzt geht’s los – zum zweiten Tag Buschtraining!

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Aufbruch in den Busch

Endlich Aufbruch. Wir beladen die Maschinen, die ZS-JOE wird unser Packesel, kann den größten Payload aufnehmen. Die Cessna hingegen transportiert neben uns dreien nur unsere Pilotentaschen und einen Rucksack. Und zwei Ersatzreifen. Und Öl. Wir starten hier immerhin in hohen Altitudes, warmen Temperaturen und hin und wieder recht kurzen Pisten!

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Die Cessna ist zwar da, hat aber einen Makel mitgebracht: Bei bestimmten Geschwindigkeiten rauscht ohrenbetäubend der Funk. Erster Stop gilt also der Tilgung dieses Problems: Clemens fliegt mit uns zum Spezialisten nach Wonderboom, der sich an die Arbeit macht, während wir die Wartezeit einem köstlichen Burger widmen mit Blick auf die frequentierte, große Piste.

Beim Zurückkommen ist das Problem tatsächlich gelöst: Metallspäne hatten sich bei bestimmten Vibrationen im Gehäuse bewegt und die Störung verursacht. Nun funktionierte alles fehlerfrei – während des ganzen Trips.

„Bahn frei“ also für zahllose Touch and Go’s auf verschiedenen Pisten, Sand, Asphalt, Geröll. Rick und ich fliegen alles an, was Clemens vorschlägt, trainieren Short Field Landings und Soft Field Takeoffs, bis die Stallwarnung quietscht. Ich mache 16 Landungen an diesem Tag, Rick ungefähr auch, später kriegen wir kaum noch zusammen, wer wann wo eigentlich wie oft gelandet ist. Der Flug endet in einem dramatischen Abendrot über der Steppe, wir machen noch ein paar letzte TGLs, bis die Sonne gänzlich hinter den Horizont sinkt.

Wie durch Geisterhand wartet bereits Glen mit dem Landrover auf uns, aber darüber kann sich wirklich nur ein dusseliger Tourist wundern. Natürlich ist in der friedlichen Stille im Busch jedes Flugzeug von weitem zu hören, erst recht bei wiederholten Touch and Gos mit Vollgas im Steigflug.

Es wird schnell dunkel, bis wir in der Lodge eintreffen. Das Gelände ist eingezäunt, wir können uns frei bewegen, ohne von Löwen gefressen zu werden. Vorteil!

Wir sind die einzigen Gäste in der Kunkuru Lodge, die viel mit der Flugschule zusammenarbeitet. Von hier aus werden auch die einwöchigen Buschkurse geflogen. Unsere Fluglehrer marschieren hinter die schöne Bar und servieren uns erst mal Gin Tonic – gegen die Malaria, wohlgemerkt!

Auch gelernt: „Eight hours between bottle and throttle!“. 😀

Validation Flight – Part II

Neuer Tag, neues Glück: neue Maschine, neuer Fluglehrer. Chef Clemens steigt jetzt selbst mit mir ein, und zwar in die frisch eingetroffene Cessna, die ich auch die nächsten Tage fliegen werde. Immerhin hab ich bereits 2 Stunden Cessna Flugzeit in meinem Logbuch mitgebracht, das ist schonmal besser als 0. Ich schaue auf die Vorteile!

Wir gehen das Ganze nochmal von vorne an inklusive acht Touch & Gos, die am Ende gut funktionieren. Garniert mit guten Tipps und viel Albernheit steigen wir gut gelaunt aus dem Flieger. Geht doch.

Und später, als alle ihre Theorie- und Flugtests abgeschlossen und bei der Behörde eingereicht haben, wird uns feierlich die Foreign Licence Validation übergeben. Fünf Jahre gültig, und damit darf ich jetzt offiziell südafrikanisch zugelassene Flugzeuge – analog zu meiner europäischen Lizenz – fliegen.

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Arrival of the Cessna 172 E

„Unsere“ Cessna für den Trip ist da!

Ein Blick ins Handbuch verrät: sie ist älter als ich und auch als Rick, der mit mir in der Cessna fliegen wird. Fasziniert schaue ich mir das historische Owner’s Manual an, was im 60ies Design sauber im Bleisatz gedruckt wurde.

Wir werden das langsamste Flugzeug der Gruppe sein, aber hey, damit haben wir mehr von der Aussicht! Garmin aera und Garmin G5 an Bord hat sich später bewährt, da der analoge Höhenmesser irgendwann durchdrehte – im wahrsten Sinne des Wortes!

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Flugplanung Botswana

Flugplanung auf dem Rücken eines Zebras. Da ist noch alles dran: Mähne, Schwanz, Augenlöcher, Nasenlöcher. Eigentlich fehlt nur das Zebra selbst. Jetzt liegen unsere Afrika Karten darauf. Die Karten haben mehr Teile als das Zebra! Chobe, Okavango, Kalahari. Fantastische Namen und Gebiete, und wir werden dort herumfliegen. Ganz bald.

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Validation Flight – Part I

My turn: Startaufstellung auf RWY 18. Noch versuche ich, mich mit den neuen Instrumenten zurecht zu finden, da sind wir schon in der Luft Richtung Ergo Slimes Dam und Danger Area. Ich kenne das Programm, das mich erwartet und fliege es ab, so gut ich kann, während ich mich nebenbei wundere, wie anders sich eine schwere, viersitze und stark motorisierte Metallmaschine anfühlt als „meine“ Kunststoff Zweisitzer-Katana zuhause. Die ersten Übungen gelingen einigermaßen, Geschwindigkeiten und Kurvenverhalten sind aber komplett anders als gewohnt. Ich hab alle Hände voll zu tun, mit einer simulated Engine Failure auch nur annähernd den richtigen Turn zur ausgewiesenen „Piste“ (= Maisfeld) einzuschätzen, über die wir dann in 50, 60 Fuß hinwegbrausen. Der Fluglehrer ist grumpy und maulig, das geht mir auf die Nerven. Schließlich bin ich hier um was zu lernen, und nicht um was zu können.

Nach Absolvieren der notwendigen Test-Szenarien fliegen wir zurück, kreuzen midfield und machen drei Touch & Gos, von denen der erste halbwegs funktioniert, die beiden anderen aber aufgrund multipler Faktoren wie Speed und Abschätzung des Flare Verhaltens nicht hinhauen. Der Fluglehrer zwingt die Maschine schließlich runter und wir rollen zum Hangar, wo er aussteigt und den Wartenden berichtet, ich könne nicht fliegen.

Es dauert normalerweise sehr lange, bis ich ernsthaft mies gelaunt bin, aber jetzt war es soweit. Da half auch nicht, später zu hören, es sei „niemals Schuld des Flugschülers“, wenn etwas nicht klappe. Die ganze Aktion war für mich irre stressig und hat mich tagelang verunsichert. Ein Minuspunkt für die Orga, nicht zuzuhören, wenn ich den Stand meiner Ausbildung beschreibe, und gleich noch einen ordentlichen Minuspunkt obendrauf für den Fluglehrer, der pampig wird, statt zu erklären.

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Fasten your seatbelts

Endlich: Nach drei Tagen Nordpolkälte blinzelt die Sonne durch die Wolken. Wir stehen zum Aufwärmen auf der Terrasse. Immerhin haben wir drei davon im Sky Terminal von African Sky Cruises!

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Die funkelnde ZS-JOE wird betrachtet: eine Piper PA28 235 Cherokee Pathfinder. Mit ihr werden wir die Flüge für die Validierung machen.

Ich nehme hinten Platz, als Reinhard seinen Flug startet. Takeoff Brakpan, 10 Minuten, schon sind wir in der Danger Area. Sofort geht’s los. Stallen bis die Maschine wegzubrechen droht – Recovery. Ansätze eines Spiralsturzes erkennen und sofort ausleiten. Langsamflug clean und mit vollen Klappen. Steilkurven.

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Und schließlich Precautionary Landings mit Runway Inspection und Emergency Landings, beide bis zum Durchstarten in niedriger Höhe.

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Drama Baby, das Wetter macht ordentlich Stimmung auf dem Rückflug. Jetzt schnell heim.

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Brakpan Benoni Airport

Kuriosum. Brakpan, FABB, ist ein unbemannter Platz innerhalb der Johannesburg Kontrollzone, dazu in direkter Nachbarschaft von Rand Airport, FAGM, und Springs Airfield, FASI. Von „Brakkies“ wird seit 1927 geflogen, heute mit einer 1.440m langen Piste und zahlreichen Hangars, voll mit ca. 70 Flugzeugen. Da parken einige Schätzchen. Wir haben in den ein oder anderen mal reingeschaut!

Ivan van der Schaar restauriert alte Flieger und zeigt sie auf Airshows, wenn er nicht gerade als Airline Pilot Passagiere durch die Welt fliegt. Hier sehen wir ihn mit Frau vor seiner Boeing Stearman und einer Pitts, mit der er uns später eine ordentliche Aerobatics Show vorführte.

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Großes Fundstück: eine A-1 Skyraider aus dem Jahr 1957, die für die nächsten vier Jahre restauriert wird. Schon heute freuen sich alle auf den ersten Startup.

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Da hätten wir eine Nanchang CJ-6 Dragon, mit der der reichlich kuriose Gordon Dyne, ein Freak und Sammler von Flugzeugmodellen, schon aufs Titelblatt der „African Pilot“ geflogen ist:

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Der Skyraider Besitzer „Ape“ landete heute mit seiner funkelnagelneue Cessna Caravan, in der wir gleich mal Platz nahmen.

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Kevin, einer unserer Safety Pilots, zog am Schluss der Reise seine wunderbare Jak aus dem Hangar und sauste mit Robin (dem Glücklichen) mit Loopings und Barrels durch die Brakpan Luft! (Fotos: Robin)

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Und last but not least: ein Blick entlang der Taxiways durch die Hangars.

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Touchdown South Africaaaaa!

Zwei Wochen, ein Plan:

drei Tage Validierung unserer Pilotenlizenzen, zwei Tage Bush Flying Kurs, eine Woche Flying Safari durch Botswana.

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Wir wollen fliegen. Aber: Herbst in Südafrika. Eine kalte nasse Front schiebt sich drei Tage lang über Brakpan Benoni Airport. Ich kaufe eine Daunenjacke. Zähneklappern. Kaffee wird kalt, nach 3 Minuten. Das Fliegen muss warten. Wir sitzen rum.

Wir beginnen mit der Theorie. Airlaw Südafrika: üben per Online-Trainingsprogramm. Theorieprüfung an Tag 2. Ich marschiere zur Flugschule nebenan: vor wenigen Wochen wurde der formlose Papiertest durch eine Onlineprüfung abgelöst. Fensterlose Kammer, staubiges Windows-Laptop, zwei Überwachungs-Webcams. Der wackelige Internet USB Stick gefällt mir von Anfang an nicht. Als ich den ausgefüllten Fragebogen senden will: NO INTERNET CONNECTION. Jetzt läuft die Zeit. Hektische Telefonate, hilfloser Neustart. Meine Antworten sind noch da, uff! Minute 00:42. Der Test muss innerhalb von 60 Minuten absolviert werden. Minute 00:59 – und das Senden klappt.

97% Quote: BESTANDEN!

Weniger Glück hat der nächste Kandidat. 67%, eine Frage zuviel falsch. Und der übernächste darf nicht antreten, es fehlt noch ein Dokument. Start mit Hindernissen.

Auf dem Rückweg komme ich am Brakpan Benoni Aeroclub vorbei. Funfact: in diesem Pool wurde der automatische Saugrüsselpoolreinigungsautomat erfunden!

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Nächste Theoriestunde:  wir zeichnen die Procedures von Brakpan Benoni Airport FABB aufs Whiteboard. Der Flugplatz liegt IN der Kontrollzone Johannesburg. Maximal 7.600 ft erlaubt. Kein Problem? Brakpan liegt auf 5.300 ft! Nicht die übliche europäische Platzhöhe, nicht mal in den Alpen.

Regel: unbemannten Plätzen nähert man sich in Südafrika auf 2.000 ft AGL, kreuzt die Piste midfield und fädelt dann auf 1.000 ft in die Platzrunde ein. In Brakpan alles ein bisschen anders. Die Platzrunde liegt hier auf 700 ft AGL. Wir lernen: Ein-/Ausflugschneisen, Meldepunkt „Ergo Slimes Dam“, Danger Area. Letzere heißt so, weil hier im Niedrigflug trainiert wird – und zwar auch bald durch uns.

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