Clubausflug Part II: Plattensee

Die Männer sind unausgeschlafen. Im Hotel gab es nur Doppelzimmer bzw. Appartments für 4, und sie haben sich gegenseitig in Grund und Boden geschnarcht. Einer schlief auf der Couch, die anderen gar nicht, und Tim berichtet entgeistert von nur 3 Steckdosen für 4 Personen mit Handys und Tablets. „Strom ist so wichtig!“, spricht er uns aus der Seele. Er war extra in der Nacht aufgestanden, um die Geräte umzustecken. Der Morgen beginnt also etwas schleppend. Tim frühstückt alleine mit drei iPads, und der Rest macht wortkarg Flugplanung.

Wir studieren das Wetter. Schon seit Tagen steht für Salzburg ein voller Tag Regen und Gewitter für Sonntag in unseren Tools. Wir vergleichen Wind, Böen und Turbulenzen-Vorhersagen. Die Gruppenmeinung bildet sich: die geplanten drei Tage werden wir nicht umsetzen können. Keiner will durch Gewitter nach Hause fliegen, und so bleibt noch die Frage, bis wann wir am heutigen Samstag sicher heimkehren können.

Schlussendlich starten zwei der sieben Flieger gleich in Richtung Salzburg, während wir anderen fünf die geplante Route zum Balaton fortsetzen. Die Übernachtung dort müssen wir leider stornieren, und auch auf den geplanten Spaß, einen Ziellandewettbewerb in Siófok durchzuführen, müssen wir aus Zeitgründen verzichten.

Den Flug über den Plattensee wollen wir dann aber doch unbedingt machen, auch wenn er uns erst einmal anderthalb Stunden noch weiter von zuhause wegführt. Allein schon der Überflug der Grenze nach Ungarn ist spannend. Bei der Flugplan Aufgabe unterläuft ein kleiner Fehler: die richtige Reihenfolge für die Angaben des Grenzübertritts in Feld 18 lautet folgendermaßen: EET/GASNA 0010. Estimated Enroute Time nach Grenzübertritsspunkt GASNA ist 10 Minuten nach Start.

Wir funken zuerst auf Spitzerberg Flugplatz, dann Wien Information 188,525 (die Dame von gestern ist nicht im Dienst) und werden dann an Budapest Information 125,500 übergeben. Sprich: Budapescht!

Wir fliegen über die Puszta, berühmtes Pferdeland, aber ansonsten von oben eine Steppe ohne erkennbare Landmarks. Ein Hoch auf die digitalen Apps, die uns hier navigieren. Es geht fast genau südlich, ich steige auf 3500 Fuß, so wie die andere Katana, die ebenfalls diese Höhe im Funk meldet. Wir hören mit, wie Kollegen die Freigabe bekommen, den Militärflughafen Pápa überfliegen zu dürfen und zielen daher auch genau drauf zu.

Budapescht Info übergibt uns an Pápa Approach 131,250, und wir fliegen entlang der Piste über das Gelände, neugierig spähend, ob wir spannende Flugzeuge am Boden entdecken können. Samstag scheint dort nichts los zu sein – sicher auch der Grund unserer Überflug Erlaubnis. Immerhin, eine fette Boeing C-17 steht am Boden, wie wir im Nachhinein ein unscharfes Foto vom mitfliegenden Airbus-Kollegen identifizieren lassen.

Wieder zurück auf Budapest Info, nähern wir uns dem Plattensee. Kurzer Check der Instrumente, gleich haben wir für kurze Zeit keine Landemöglichkeit. Wir kreuzen genau quer über den See und knipsen ein wenig herum, während ich schon langsam anfange zu sinken.

Wir drehen ab in Richtung Flugplatz, lassen den Flugplan durch Budapest Info schließen, verabschieden uns dort und melden uns bei Siófok Airfield. Siófok ist nur rudimentär zu verstehen. Ich melde „I read you 2“ und lese das Wenige zurück, was ich von seiner langen Ansage verstanden habe. Reinhard in der OE-CMC, der sich zwischen uns und dem Platz befindet, übermittelt uns noch eine wichtige Höheninfo, die er zum Glück gut verstanden hat.

Die bereits angekündigte Parachute Activity ist gerade in einer Pause am Boden. Glück für uns, so müssen wir nicht warten (im Gegensatz zu den Kollegen hinter uns, die für 15 Minuten „in die Botanik“ müssen, so ihr O-Ton) und können direkt den Landeanflug beginnen. Zu unserer Überraschung hält der lange Grasplatz eine neue 600m Asphaltpiste bereit, die weder in Jeppesen noch Skydemon notiert ist. Auf der riesigen Grasfläche sieht sie aus wie ein kleines Handtuch, aber da Reinhard unbeirrt darauf zusteuert, wählen wir sie auch.

Der Anflug ist hindernisfrei, also kann ich in aller Ruhe hineinsegeln und aufsetzen. Es gibt kleine Taxiways und Parkplätze für Flugzeuge, die wir allesamt belegen.

Es ist heiß. Wie schön, wieder eine kleine Pause und Zeit für Drinks zu haben. Und natürlich zum Studieren der neuesten Wetterentwicklungen.

Über mangelnde Steckdosen können wir uns hier nicht beschweren! Sehr zur Freude unserer durch die Hitze schon wieder halbleeren Tablets.

Die Entscheidung fällt, auf direktem Wege zurück nach Salzburg zu fliegen. Das ist ein langes Leg von über 2 Stunden für die meisten, durch starken Wind und über die Berge. Vielleicht kein besonderes Zuckerschlecken.

Leider fällt der geplante Überflug von Wien damit ins Wasser, obwohl die ganze Flotte bereits durch Tom beim Tower angemeldet war, um entlang der Donau in 1000 Fuß die Stadt zu durchqueren. Wie wir später hören, ist aber auch unseren beiden anderen Maschinen, die heute morgen nach Salzburg geflogen sind, der Überflug nicht genehmigt worden… schade. Das müssen wir nachholen!

Die Plätze in den Fliegern werden neu gewürfelt. Ich fliege diesmal als Co in der Mooney mit Tom zurück. Tom hat den ganzen Clubausflug organisiert, das war super gemacht – von der Strecken- und Flugplatz-Auswahl und der Diamond Tour, bis hin zum Vorbereiten aller Anflugblätter und einem fertig geschnürten Paket für jede Maschine mit kleinen Goodies und einer Powerbank (nicht unwichtig!). DANKE TOM!

Wir müssen nicht tanken und können als erste weg – dazu sind wir noch die schnellste Maschine. Schon sind wir wieder über dem Balaton, wo sich am heißen Samstag unzählige Segelboote tummeln.

Tom schlägt vor, dass wir nach dem VFR Start einen IFR Pickup machen, und so cruisen wir auf 11.000 Fuß durch die sich allmählich aufbauenden Wolken Richtung Salzburg.

Wir müssen uns ein bisschen festhalten, denn in den Wolken gehts etwas ruppig zu!

Über den Alpen…

Und hier Vorbeiflug am Tauernwindpark, dem höchstgelegenen Windpark Österreichs (6300 Fuß!), durch dessen 14 Windräder einst Hannes Arch mit 300 km/h ein Slalom in seiner Kunstflugmaschine flog.

An Bord war gute Stimmung, trotz Gehopse durch den Wind!

Im Anflug auf Salzburg dann 17 Knoten Gegenwind auf der RWY 33. Das hieß für uns, Circling Approach mit Break-off vom ILS. Dadurch ein schöner Blick auf die NEUE Piste in Salzburg!

On Ground bereiten wir alles zum Putzen der Flieger vor, machen die Mooney auf dem windigen Vorfeld fertig und schieben sie als erste in einen gänzlich leeren Hangar hinein – welch ungewöhnliches Bild!

Wir hören den Funk ab und plötzlich, ca, 30-40 Minuten nach unserer Landung, kommen wieder einmal alle Maschinen innerhalb von 5 Minuten am Platz an! Mir ist diese Synchronizität ein Rätsel, bei unterschiedlichen Routen und Geschwindigkeiten. Alle landen sicher, und wir sind wohlbehalten wieder daheim!

Das Lande-Bierchen haben wir uns redlich verdient, und wir hören uns die Berichte an von Fallwinden in den Bergen, die unsere Kollegen 1000 Fuß in die Tiefe gedrückt haben. Alles nicht ganz angenehm., aber super gemeistert.

Jetzt, zum Ende des Tages, lässt der Wind nach, und die angekündigten Gewitter sind nicht zu sehen. Selbst der als völlig verregnet vorhergesagte Sonntag wird nur teilweise schlecht, zwischendurch hätte man sicher fliegen können.

Aber: Sicherheit geht vor – das hatten wir schon am Clubabend als Briefing ausgegeben. Ich hab sogar den Teil mit den Go-Arounds erfüllt 😉

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