Im Space Shuttle Cockpit

Heute mal in einem anderen Cockpit als sonst gesessen. Im Kennedy Space Center in Florida hängt die Atlantis von der Decke, und daneben steht ein begehbares originales Space Shuttle Cockpit. Immerhin musste an Board ein Pilot sein, der das tonnenschwere Ding (69.000 kg) mit etwa 400 km/h auf eine Piste setzt, ohne Chance auf ein Go Around.

Commander Petra im Approach auf die Shuttle Landing Facility (KTTS).
Piste 15/33, wie zuhause. Läuft.
Das Switchboard auf der linken Seite.

Das Kennedy Space Center hat einen Space Shuttle Simulator, in dem man einen Start miterleben kann. Das ganze Element wird nach hinten gekippt und mit einem Haufen Getöse und Gerüttel erlebt man die G-Kräfte und das Abkoppeln der Antriebselemente beim Verlassen der Erdatmosphäre.

Für meinen Geschmack ein bisschen viel Inszenierung vorab, aber die eigentliche Simulation ist ein super Spaß und gibt einen klitzekleinen Eindruck davon, wie sich die Astronauten fühlen, wenn nach dem gewaltigen Lift-Off plötzlich in Stille die Erdkugel aus dem Fenster zu sehen ist. Ich bin jedenfalls mit einem breiten Grinsen ausgestiegen!

Häuser mit Hangar

Ich sitze als Passagier in einer Boeing 747-400, in der Hand das Fliegermagazin 12/2018. Verblüfft lese ich „New Smyrna Beach“ im Artikel „Fliegerparadies“: das ist genau mein Reiseziel! Letztes Jahr war ich dort fliegen und wunderte mich, genau wie jetzt der Autor, über die komplizierten Lufträume. Und ja, ich hatte von „Spruce Creek“ gelesen, aber hey: es ist tatsächlich nur 25 Minuten mit dem Auto entfernt?

Am Sonntag fahren wir hin. Downwind Café steht im Navi, 100 Cessna Boulevard. Wir bekommen ein Guest-Entry Schein, mit dem wir nur auf direktem Wege zum Café fahren dürfen, Sightseeing per Auto durch das Gelände ist nicht gestattet und auch gar nicht so einfach: die meisten Straßen in dieser „Fly-In Community“ sind nämlich keine Straßen, sondern schmale Taxiways mit einer gelben Centerline. No cars allowed!

Im Café fragen wir, ob man einfach herumlaufen darf. „Of course! No problem, just make sure you don’t get overrun by a plane“. So spazieren wir also den Taxiway Lima entlang, links die Piste, rechts Wohnhäuser mit „Garagen“ bzw. Hangars, von denen manche halb offen stehen und den Blick auf den ein oder anderen Propeller freigeben.

Ausserdem unfassbar große Fliegennetze, die das halbe Haus und Grundstück umspannen wie eine Vogelvolière – ein teurer Preis für die vielen künstlichen Wasserflächen und Springbrunnen der ganzen Condominium Anlagen in dieser Gegend. Aber teuer… das ist hier egal. Die Häuser kosten zwischen 200.000 und 5 Millionen Dollar – ohne das, was dann noch in den 700 Hangars der größten Fly-In Anlage der Welt so herumsteht. 5.000 Residents wohnen hier in 1.300 Häusern.

Altes aber schönes Chart mit allen Taxiways. Die Piste ist inzwischen 6/24 Ausrichtung.

Jetzt müssen wir erst einmal zur Seite gehen, hinter uns nähert sich ein Motorengeräusch, eine Cessna taxelt zu ihrem Wohnhaus, das Fenster lässig geöffnet, es hat weit über 20 Grad im Florida-November.

Als nächstes überholt uns ein Golf Caddy, das ist das übliche Transportmittel hier. So lernen wir nach und nach, wer hier so wohnt, ein Drittel Familien, ein Drittel Rentner, und ein Drittel Businessleute, wie wir später erfahren. Die meisten Caddies fahren auf dem Beifahrersitz einen großen Hund spazieren – gleich verstehen wir auch, wohin: Vor der Schwelle der RWY 24 befindet sich eine Hundewiese, auf welcher der Liebling dann vom Nebensitz geschubst wird.

Im Schrittempo folgt der Caddy dann dem schnüffelnden Tier, bis es zum Geschäfts ansetzt. Praktisch ohne Auszusteigen angelt der oft seniore Fahrer dann mit einer Tüte nach dem Unrat und fährt mit Hund und Beute zu dem speziell aufgestellten Mülleimer-Ensemble, an dem auch ein Tütenspender platziert ist.

Währenddessen kreist die ein oder andere Maschine in der Platzrunde. Heute ist praktisch Windstille. Der Platz ist – natürlich – unbemannt. Landen dürfen hier alle Residents und Gäste mit einer Einladung. Korrekt Funken ist heute angeraten: die Flugzeuge nutzen beide Start- und Landerichtungen, je nachdem, wo es sich auf kürzestem Wege zum hauseigenen Hangar abrollen lässt. 

Eine Extra rollt zur Run-up Fläche RWY 24, macht ein bisschen Lärm und startet dann energisch in den Südwesten, aus dem kurz danach eine Piper aus dem Himmel auftaucht und sich in abgehackten Stufen der Piste nähert, wenn auch nicht so recht tief genug, um aufzusetzen. Das ganze Manöver sieht unglücklich aus, der Motor klingt nach Durchstarten, trotzdem touchiert die Maschine noch einmal kurz und zieht dann nach oben weg – das war wohl nix.

Steile Linkskurve und neuer Versuch, der Anflug ist wieder viel zu hoch, trotzdem gelingt das Touch & Go, wenn auch weit im hinteren Drittel der Piste. Die nächste Landung passt und ist so nah an der Schwelle, dass wir nur die Reifen quietschen hören. Die Maschine rollt zum kleinen Taxiway neben uns und biegt ab. Das Motorengeräusch verliert sich allmählich zwischen den Häusern.

Jetzt macht uns eine gelbe Piper Cup Freude, startet in die Gegenrichtung und hebt nach gefühlten 10 Metern ab. Auch hier ein paar Touch and Go’s. Der Resident, der den Traffic aus seinem Caddy beobachtet, kommt vom 18-Loch Golfplatz des Geländes, hat seine Golfschläger geladen und hört den Funk mit. Er erzählt uns, dass der Traffic unter 1200 Fuß bleiben muss, weil der Daytona Airport in direkter Nachbarschaft liegt. Auch der New Smyrna Beach Municipal Airport ist nah, da darf sich der ganze Traffic nicht in die Quere kommen. Aber, sagt der Resident, „we are good friends“. Man arrangiert sich.

Er gibt eine Story zum besten, wie vor einem Jahr eine Mooney gelandet ist, ohne das Fahrwerk auszufahren. Drei Leute hätten an der Schwelle gestanden und das Unglück kommen sehen, doch keiner hätte ein Funkgerät mit Sendefunktion bei sich gehabt, um den Piloten zu warnen. „It was a good landing“, fasst er zusammen, sie hätten die Piste für eine halbe Stunde gesperrt und das Flugzeug mit Ballons unter den Flügeln hochgehoben, Gear ausgefahren und von der Piste gerollt. Schwamm drüber, kein Papierkram, Piste wieder geöffnet und Business as usual. „We don’t want Big Brother watching us here“, grinst er.

Freitags hätte es immer eine kleine Flugshow gegeben, bis vor einiger Zeit zwei erfahrene Airline Piloten mit ihren kleinen Prop Maschinen eine Formation flogen und sich in einer „upper Wing, lower Wing“ Situation berührt hätten. Die Maschinen mussten aus dem Meer gefischt werden, und Formationen gehören seitdem nicht mehr ganz so häufig zum Freitagabend Programm der Community.

Wir versprechen trotzdem, wiederzukommen, es soll dennoch einiges am Freitag los sein. „Welcome, welcome, welcome!“ sagt er nachdrücklich mit einer ausladenden Geste, als wir uns verabschieden. Unfassbare Herzlichkeit, die man sich in Deutschland so gar nicht vorstellen könnte. 

Wir wollen gerade den kleinen Weg zum Taxiway Lima zurückgehen, als sich zwischen den Bäumen… ein riesiges Triebwerk hindurchschiebt. Wir reiben uns die Augen: hier rollt eine Turbine auf Rädern auf uns zu, es dudelt Country Musik, irgendwo raucht es ein wenig und oben gucken fröhliche Menschen heraus, die uns bestgelaunt zuwinken. Wir sind sprachlos, während es für sie das Normalste der Welt ist. Die Turbine schippert an uns vorbei, passiert die Hundewiese und die Schwelle der Runway und biegt ab in die Häuserzeilen auf der Seite gegenüber. Die Dudelmusik wird leiser und leiser, und die kleine Rauchfahne hat sich über der Piste in Luft aufgelöst.

Langsam geht die Sonne unter in Spruce Creek. Ein paar Jogger begegnen uns auf dem Taxiway, ein weiterer Caddy mit sehr großem Pudel, noch ein Caddy, der aussieht wie ein Cadillac (!), mit einem sehr, sehr dicken Mann. Alle grüßen lässig, eine Hand halb erhoben. Wir schlendern an ein paar Leuten vorbei, die um einen Caddy herumstehen, dessen Fahrer gerade erzählt: „We had 98 guests for Thanksgiving! We invited all the Cowboys, and all the deputy sheriffs, all the family“. Wir gucken uns wortlos an. Hier ist eben alles ein bisschen größer. Die Häuser, die Hangars, und auch die Thanksgiving Parties.

Jetzt endlich kehren wir ein ins Downwind Café, beziehungsweise natürlich sitzen wir nicht drinnen, sondern draußen mit Blick auf das Vorfeld und den Taxi Traffic, der zum ECET nochmal sehr lebendig wird. Direkt über uns kreuzen die Flieger midfield, direkt neben uns rollen sie zur Tankstelle. Die Bewohner kommen mit Amphibienflugzeug, Kunstflugzeug, Cessna, Fahrrad, Longboard, Rollerskates, Tesla oder Mercedes C350 Cabrio vorbei. Einige holen Pizza, andere kommen an die Bar.

Wir essen einen fantasischen Hangar Burger und sprechen über John Travolta, der hier auch mal Resident war, bis seine Flugzeuge der Community zu groß wurden. Ein brauner Porsche GT3 röhrt vorbei und parkt in einem halbgeöffneten Hangar neben einem weißen Porsche. 

Wir sind uns einig, das war einer der skurrilsten Orte, den wir seit langem besucht haben – und auch einer der tollsten. We will be back on Friday!

Spruce Creek Website, Anflugblätter, zahlreiche Infos zum Fliegen, Events, Wohnen hier: http://www.7fl6.com.

„Normal Traffic Patterns Are Impossible At These 6 Airports“

Schöner Artikel mit interessanten Fotos von Boldmethod über ein paar wirklich ungewöhnliche Pisten:

  • Telluride Regional Airport, Colorado – zweithöchster Airport der USA, auf einem Plateau
  • Skagway, Alaska – in einem Canyon
  • Copalis State Airport, Washington State – auf einem Strand
  • Courchevel Intl. Airport, Frankreich – kennt ihr, eine Art Skipiste, 19% Gefälle, kein Go-Around
  • Gustaf III Airport, St. Barts – kennt ihr vom Clip der missglückten Landung, die im Meer endet
  • Glenwood Springs Municipal Airport, Colorado – nochmal Canyon auf 6000 ft

Red Eye Impressions

Passagierflug nach DüDo. Eigentlich gar nicht sooo früh, aber es ist Herbst und die Sonne geht erst auf, wenn man übers Vorfeld schlurft. Die Kälte beißt einem ins Gesicht, und trotzdem es ist so schön!

Der Pilot kam mit dem Fahrrad:

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Und beim Düsseldorf Approach schon das ganze Spektrum der Herbstfarben.

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Ganz großes Bergkino

3 Grad am Morgen. Lag ich nicht letzte Woche noch in der Sonne? Heute zwei Jacken angezogen fürs Fahrrad und den Weg zum Flughafen. Der Morgen ist glasklar, weder Nebel noch Wölkchen. CAVOK soweit das Auge reicht.

Die Katana wird uns aufgewärmt von der vorangegangenen Flugstunde überreicht. Im Funk melde ich mich mit dem Callsign der Schwestermaschine, kruzifix, diese Gewohnheiten. Der Tower witzelt, er könne mir eine CMC anbieten – da willigen wir mal ein, haha.

Off we go. Noch vor Pass Lueg müssen wir zu Salzburg Radar wechseln, der uns Traffic in opposite direction ankündigt. Die OE-LDM, ich grübele, welche Flying Bulls Maschine das ist und spähe in den Himmel. Zweite Dümmlichkeit des Morgens, nicht zu wissen, dass das die DC-6 ist, und noch viel dümmer, sie irgendwie nicht zu finden im Himmel, wie geht das denn bitteschön, 1.000 Fuß über uns muss der Riesenvogel doch wohl zu sehen sein? Schon war sie vorbeigesaust, und damit auch die super Gelegenheit, einen exklusiven Air-to-Air Shot zu machen. Später sehe ich bei Facebook, dass die OE-IDM zu der Zeit in der Luft war, was vom Speed besser passen würde – vielleicht haben wir uns verhört? Im Gegensatz zu uns meldet die Crew jedenfalls „traffic in sight“, und schon erlaubt uns Salzburg Radar, die Frequenz zu verlassen.


Nach Pass Lueg erscheinen die ersten weiß gezuckerten Gipfel: Dachstein, Kitzsteinhorn, Hochkönig. Man könnte schon Skifahren, wenn man denn wollte. Unglaubliche Sicht, ein Spread von 13 Grad, eigentlich will man da gar nicht mehr aufhören zu fliegen.

Besseres Wetter für Zell am See gibts nicht, also Linkskurve bei Saalfelden, Meldepunkt November, Meldepunkt Lake, 4.000 Fuß. Piste 26 ist in Betrieb, ungewöhnlich, somit müssen wir jetzt ein bisschen vom Himmel fallen, damit wir auf dem kurzen Anflug ausreichend Höhe abbauen. An den Berghang geschmiegt fliegen wir Aug in Aug mit den dortigen Hochspannungsleitungen in den Queranflug. Im Endteil kommt der Wind glücklicherweise von vorne, auf dem kurzen Stück will man nicht auch noch Crosswind bändigen.

Die Katana nimmt auf der Schwelle Platz, mit der neuen Pistenlänge haben wir eine richtig lange Rollzeit bis zur Abstellfläche im Gras.

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Piz Buin! im Restaurant sitzen ein paar andere Piloten, ansonsten ist es ruhig. Und heiß, verrücktes Wetter. Der Kaiserschmarrn auf der Karte möchte gegessen werden. Wir schauen in das Panorama und genießen, Rudi zeigt auf den Berg gegenüber, auf den er acht Jahre lang mit dem Nationalkader zum Abfahrtstraining fuhr – morgens hoch zum Skifahren, nachmittags ins Schwimmbad. Das geht nur in Österreich!

Vor Abflug noch ein dusseliges Bild mit der neuen Fotowand gemacht :-). Dann heben wir wieder ab, Pferde (!!) und Kühe unter uns, die aus irgendeinem mystischen Grund in einer Linie mit dem Holding Point 08 stehen.

Beim Kaiserschmarrn haben wir uns eine abenteuerliche Route über Bad Gastein ausgedacht, herumgerechnet, ob wir über die Bergspitzen hinüberkommen. Nullgradgrenze bei 10.000 Fuß, wir brauchen 8.500. Es ist halt doch schon Herbst, die Maschine steigt eifrig: als wir den Platz im Süden passieren, sind wir schon auf 6.000 Fuß, ganz klein liegt er da unter uns, wo gerade eine Maschine startet.

Nun rechts rein ins Gebirge: Bad Gastein so winzig unter uns, wo sind denn die ganzen alten Hotels und der Fluss?

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Drumherum schieben sich die Berge zu grünen, goldbraunen und weißen Klippen zusammen, einfach sensationell, über was wir da so hinüber cruisen. Wir sind aufgeregt, so knapp über den Gipfeln der zerklüfteten Landschaft. Was für ein unfassbar privilegierter Blick von oben auf diese epische Schönheit der Alpen!

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Jetzt direkter Kurs nach Norden, am Horizont ist Pass Lueg deutlich zu erkennen. Wir sinken, melden uns ab bei Wien Info und hören ein wenig dem noch verschatteten ATIS zu. Wind 3 Knoten verstehen wir in dem brüchigen Funk. Sinkflug auf 3.500 Fuß und dann straight in auf RWY33.

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Beim Ausrollen sind wir immer noch ganz andächtig. Selten so prachtvolles Wetter gehabt und solch einen Ausblick auf eine Landschaft, welche sich noch nicht zwischen Sommer und Winter entscheiden kann, und die gerade noch einmal Luft holt in der warmen Herbstsonne, bevor der Winterrummel losgeht. Ganz großes Kino.