Im Kreis geflogen

A L L E I N E. Touch & Go. Nach dem Start bei der Bahnlinie links, dann zu den roten Ziegeln, dann „Level off“ (2000 Fuß), dann dem Tower sagen „Oscar Echo Alpha Mike Bravo, im Gegenanflug, erbitte Aufsetzen und Durchstarten“, dann über den Wald, links zwischen den beiden Dörfern durchfliegen und auf die Piste zu. Doofe Vögel auf der Runway. Vergessen, den Propellerhebel full forward zu setzen. Zu früh abgefangen. Geschmeidig aufgesetzt. Von oben die Piste betrachtet und schön gefunden. Pisten sind „Home“. Kurz überlegt, durchzubrennen. Wels hat viele Häuser mit Schwimmbad im Garten. Bin müde.

Mondsee

see

Early morning view (wenn auch unscharf). Die ganzen Seen sind von oben am schönsten.

Hvar, Kroatien

hvar

Hier bin ich eben gelandet in diesem Niemandsland.

Salzburg – Alpen – Kroatien

Angenehmes, Nützliches. Ihr wisst schon.

Formationsflug

formation

Was wir neulich gemacht haben: einen Formationsflug. Eine der (zunächst) gruseligsten und faszinierendsten Arten zu fliegen. Waren zum Touch & Go ein paar Mal in Schärding gelandet und den kleinen Tower hinaufgeklettert. 32,90 Euro. Da stehen die Kollegen vom Verein und rauchen. Minuten später: nebeneinander versetzt Aufstellung auf der kleinen Piste. Vollgas, und Start. Die Kollegen vor uns gehen gleich in die Kurve, die Ähren vom Kornfeld ziehen unter uns durch, auch der Vorgarten mit dem blauen, runden Pool. Wir biegen auch ab – nach den Wirbelschleppen. Der Tower funkt: „Ach sah das schön aus mit Euch zweien! Startzeit zwo fünf, Tschüss, bis bald!“.

Wir steigen auf 3.500 Fuß, Abendlicht, die Fluglehrer funken sich an, „Interpilot“ in der Fachsprache, Bord-zu-Bord. Die Charlie Mike Charlie kommt näher, plötzlich gibts einen Bezugspunkt in der Luft, in Millisekunden ist sie 5m höher, 10m niedriger, eine kleine Ruderbewegung und wir sehen sie gar nicht mehr, irgendwo unter der Tragfläche vermuten wir, recken die Hälse, mulmiges Gefühl.

Taucht wieder auf, war hinter uns, nun Seitenwechsel fürs Foto, wir wollen auch das Gegenlicht. Wer kreuzt jetzt über wen? Hoffe, die Fluglehrer kennen eine Routine, ich hab das Steuer schon längst abgegeben, zu heikel, „your control“. Mache statt dessen die Fotos, hoffentlich nicht das letzte, was ich tue …und später fände man das iPhone irgendwo im Feld, noch im Kameramodus.

30m schätzt der Fluglehrer, Tragfläche an Tragfläche. Formation gilt ab unter 150m, Funfact: die Landung kostet dann nur einfach, auch wenn wir zu sechst wären. Wir winken uns zu, Shooting ist im Kasten, die CMC gibt Gas und meldet sich als erstes „for landing“ über Strasswalchen beim Salzburg Tower. Sie müssen ins Holding über Maria Plain, dem Kirchlein auf dem Berg, Alpha traffic ist Number one. Wir ins Holding über Eugendorf, da unten ist der Biergarten mit den Kastanienbäumen, wo ich schonmal mit dem Fahrrad war.

Dann sinken wir auf zweieinhalb, der Anflug beginnt, Fuel Pump, Landing Light, Power reduce und Flaps auf 10. Die Landebahn ist in Sicht, die Kollegen rollen schon über Delta ab zum Exit 2, wir sind cleared to land.

Im Pilotenraum zeigen wir uns die Bilder, machen den Papierkram. Jetzt ist Zeit, sich einander vorzustellen, den anderen Piloten kannte ich nicht. Nun haben wir Fotos voneinander im Handy, da will man wissen, wer das ist. „Formation“ kritzelt einer von uns ins Bordbuch. Steht da nicht so oft. Hab extra geblättert.

Flug 17 oder 18

Es ist 33° C. Heute kein Bikini. Aber gestern. Ampfing bei München, Rasenpiste. Beim Anflug befürchtet, Fahrwerk bleibe in Maiskolben hängen. Tower ist ein blauer Container, Katze, Kippen, staubiger Laptop. Landegebühr 8 Euro. Keine Pizzeria.

Zu Fuß Feldweg zum kleinen See überquert und in Miniatursee gebadet. Sonne trocknet uns. Währenddessen hoch oben Airliner in Münchner Einflugschneise beobachtet. Nebenan übt eine Cessna Landungen ohne Motor. Taumelt regelrecht vom Himmel, mulmiges Gefühl. Muss ich auch bald machen.

Piste two seven, 753m. Das ist wenig. Aufstellen auf Meter 1, gleichzeitig Bremsen und Vollgas. Maschine jault und bäumt sich auf, will los wie beim Pferderennen. Bremse lösen, wir schießen nach vorne. Der Rasen rumpelt. Piste ist schnell zu Ende, hoch, Kurve rechts. Fliege heute ein neues Flugzeug, Instrumente alle woanders, dazu zwei Bildschirme wie Wimmelbilder. Fluglehrer erklärt Linien und Zahlen, ich verstehe überhaupt nichts, später sagt er, es war ein Multitaskingtest. Immerhin: währenddessen nicht abgestürzt, werte das als Erfolg.

Heute also kein Baden. Heading St. Johann, Steigflug, 6.000 Fuß. Das ist hoch, aber links und rechts ziehen immer noch Gebirge am Fenster vorbei. Überqueren eine Bergkante, dahinter Abgrund von tausend Metern. Große Angst runterzufallen, statt dessen packt uns Thermik und wirft uns Meter nach oben wie mit einem Vorschlaghammer. Gemütlich ist anders.

Ein Tiroler Tal, Anflug in Gurkenform über Bauernhäuser. Touchdown St. Johann, Pizzeria. An bunten Schirmchen vorbei, die Gäste grüßen mit vollem Mund. Treppauf, 9,70 Euro, Foto, treppab, auf Wiedersehen. Nach 10 Minuten wieder Piste, Engine Run-up, und los.

Durchs Tal geradeaus, dann vor Saalfelden rechts, erster Meldepunkt „November“, zweiter „Lake“ über dem Zeller See. Anflugkarte schreibt vor: wer südlich kommt, bitte über 4.000 Fuß, nördlich unter 3.500 – so trifft man sich nicht.

Kein kontrollierter Luftraum, Tower meldet „Landung nach eigenem Ermessen“. Zwei weitere Flieger sind in der Nähe, wir entdecken nur einen, Tower eindringlich: „Ihr müsst Euch abstimmen!“. Brüchiger Funk des Unsichtbaren, Standort nicht zu verstehen. Bringe die Maschine runter, unkonzentriert, ein Golfplatz kurz vorm Aufsetzen. Flugplatz Zell am See ist ein sprödes Gebäude, bin enttäuscht, trotz Pizzeria. Unscharfes Foto geknipst. Neben dem Tower eine Frau in Burka, ihre Augen beobachten mich durch den Schlitz. Meine sehr kurzen Shorts sind auch schwarz, wenigstens eine Gemeinsamkeit.

Wir eilen, in einer Stunde wartet eine AirBerlin Maschine in Salzburg auf mich. Ein paar Bergkuppen angeschnitten, wir kürzen ab. Kulisse wie im Heimatfilm, grüne Alm, Gebirge, Kuhherde, Watzmann. Gleich kommt der Bergdoktor! Fluglehrer weist zahllose Skigebiete aus, während uns die Thermik so herumwirft, dass es mir Steuerknüppel und Gashebel aus der Hand reißt. Noch ein Holding über Whiskey, im Salzburg Anflug dann steife 20 Knoten Seitenwind. S-Kurven hinab zur Runway. Vorhaltewinkel, Tragfläche in den Wind hängen und Landung auf einem Rad. So die Theorie.

Taxiway zum Hangar, Avionics off, Maschine aus. Ein Doppeldecker rollt vorbei zum Start, gestern von der Air Challenge am Wolfgangsee gelandet mit einer Frau auf der Tragfläche. Traute mich kaum hinzuschauen. Am anderen Hangar klettern zwei Fallschirmspringer in eine Cessna. Immer noch 33° C. Schweiß rinnt mir in Strömen die Schläfe hinab in die Halsbeuge.

Touch & Go in Eggenfelden

Sonntags kein Touch & Go Landing in Salzburg: die Anwohner. Also über die Grenze, vorbei am Chiemsee, durch kleine Wölkchen nach Eggenfelden. Aus 2500 Fuß kann ich nirgendwo eine Landebahn entdecken. Da! Ein kleines Stück Beton mit verwaschenen Streifen. Kurz weggeschaut, muss neu suchen. Irgendwo soll eine Windhose sein. 8 Knoten, volle Breitseite, geradezu „ideal“, wenn man noch nicht landen kann. Wir schlingern abwärts, Flugzeug macht was es will. Der Fluglehrer macht. Ich mache so als ob. Touchdown, Flaps up, Propeller full forward, ich schiebe den Gashebel nach vorne (DER Pilotenmoment). Hoch, gleich in die Kurve, Anwohner. Steigflug – Kurve – Sinkflug – Landen. Bei Landung fünf kommandiert der Herr Fluglehrer 2 m über dem Boden „Durchstarten!“. Er behauptet „zum Üben“, ich behaupte später „zur Selbstrettung“.

Nächste Landung Full Stop, wir rollen vor eine: Pizzeria. Es gibt tatsächlich eine Pizzeria am Vorfeld, ich kann’s nicht fassen. Die Leute essen und gucken, wie wir aus der Maschine klettern (Pilotenmoment!). Treppauf ins Flughafenbüro, der nette Onkel begrüßt uns, man kennt sich, jaha, wie geht’s heute, viel los, muss ja, hier: neues Gesicht, ich werde vorgezeigt (eine Frau!!). Smalltalk, Charme anwenden, fürs nächste Mal. Der Onkel möchte 29,90 für sechs Landungen. Ich habe mein Geld im Flugzeug vergessen. ICH HABE MEIN GELD IM FLUGZEUG VERGESSEN! Sätze, die ich noch oft sagen möchte. Die Pizzagäste gucken. Wir haben keine Zeit für Quattro Stagioni, nächstes Mal, Fluglehrer verspricht Besserung.

Schon wieder in der Luft, Bauernhöfe, Bierzelt, Stau auf der Autobahn. Im Funk fragt Christophorus um Starterlaubnis. Das ist der Rettungshubschrauber. Salzburg von oben ist so klein. Flug Irgendwas-Zulu-Zulu ist ohne Erlaubnis in den kontrollierten Luftraum eingeflogen und kreuzt in der Airliner Anflugschneise herum. Tower ist sauer. Herrscht den Piloten an, er muss sofort abdrehen und über „Whiskey“ warten. Ob er mit Whiskey überhaupt vertraut sei, Tower jetzt misstrauisch.

Oscar Echo Alpha Mike Bravo – wir melden uns freundlich und werden mit „Servus“ begrüßt. Heading Grödig, kein Holding, cleared to land. Nach Eggenfelden wirkt die Landebahn wie tausend Fußballfelder. Vor dem Hangar Motor aus, Headset ab, Kuppeldach auf, ich bin schweißgebadet. Doch Fluglehrer lobt! Zur Belohnung: genau neben uns startet die halbe Flying Bulls Truppe nach Budapest zum Air Race, golden angeleuchtet gegen die Gewitterwand. ‪#‎flippstevölligaus‬

 

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Cleared for takeoff

Fliegen. Mach ich so gerne, und seit neuestem mache ich es einfach selbst. Hier Flugstunde 9. Platzrunden. Sechs mal Touch & Go: landen und sofort wieder Schub. Tausend Sachen gleichzeitig. 15 Instrumente beobachten, 9 Schalter und 4 Hebel. Nebenbei noch fliegen. Funksprüche, verstehe nur die Hälfte.

Der Tower dirigiert den Airliner, der uns entgegenkommt. Sein Landing Light leuchtet mich an, von weitem. Mir ist heiß. Nach dem Abheben sofort in die Kurve. Dann ins Holding Pattern. Meine Warteschleifen gefallen mir auf Runkeeper (über Gois). Fluglehrer fragt nach meiner Schokoladenseite beim Kurvenflug. An Schokolade kann ich hier keinesfalls auch noch denken. Landeanflug. Es schrillt die Überziehwarnung. Das ist gut. Nur nicht in 500 Fuß Höhe. Aufsetzen. Wieder Start. Über dem Fluss einen 45° Turn. Sehe später erst auf der Karte, dass es gar nicht die Salzach ist. Geografie 6, setzen. Ohne meinen Fluglehrer wäre ich orientierungslos, außerdem längst abgestürzt. MIT meinem Fluglehrer bemerke ich manchmal den Sonnenuntergang oder ein Pferd unter mir auf einem Reitplatz.

Der Tower ruft die Oscar Echo Charlie Mike Charlie. Das sind wir. Cleared to land. Wieder liegt dieser Streifen Beton vor mir. Eine kleine Airberlin verlässt da unten gerade den Runway. Exit 4. Ich kenn‘ mich aus! Zum Hangar Rollen ist ähnlich schwer wie Fliegen, die Maschine macht was sie will. Motor aus, Propeller steht. Strobelight off. Headset runter. Ich kann kaum noch meinen Namen sagen. Eine Stunde Leistungssport fürs Gehirn, den Rest des Tages kann ich nur noch einfache Sachen machen. Niemals werde ich das alles können. Der Fluglehrer lacht. Jedesmal.