Flug 17 oder 18

Es ist 33° C. Heute kein Bikini. Aber gestern. Ampfing bei München, Rasenpiste. Beim Anflug befürchtet, Fahrwerk bleibe in Maiskolben hängen. Tower ist ein blauer Container, Katze, Kippen, staubiger Laptop. Landegebühr 8 Euro. Keine Pizzeria.

Zu Fuß Feldweg zum kleinen See überquert und in Miniatursee gebadet. Sonne trocknet uns. Währenddessen hoch oben Airliner in Münchner Einflugschneise beobachtet. Nebenan übt eine Cessna Landungen ohne Motor. Taumelt regelrecht vom Himmel, mulmiges Gefühl. Muss ich auch bald machen.

Piste two seven, 753m. Das ist wenig. Aufstellen auf Meter 1, gleichzeitig Bremsen und Vollgas. Maschine jault und bäumt sich auf, will los wie beim Pferderennen. Bremse lösen, wir schießen nach vorne. Der Rasen rumpelt. Piste ist schnell zu Ende, hoch, Kurve rechts. Fliege heute ein neues Flugzeug, Instrumente alle woanders, dazu zwei Bildschirme wie Wimmelbilder. Fluglehrer erklärt Linien und Zahlen, ich verstehe überhaupt nichts, später sagt er, es war ein Multitaskingtest. Immerhin: währenddessen nicht abgestürzt, werte das als Erfolg.

Heute also kein Baden. Heading St. Johann, Steigflug, 6.000 Fuß. Das ist hoch, aber links und rechts ziehen immer noch Gebirge am Fenster vorbei. Überqueren eine Bergkante, dahinter Abgrund von tausend Metern. Große Angst runterzufallen, statt dessen packt uns Thermik und wirft uns Meter nach oben wie mit einem Vorschlaghammer. Gemütlich ist anders.

Ein Tiroler Tal, Anflug in Gurkenform über Bauernhäuser. Touchdown St. Johann, Pizzeria. An bunten Schirmchen vorbei, die Gäste grüßen mit vollem Mund. Treppauf, 9,70 Euro, Foto, treppab, auf Wiedersehen. Nach 10 Minuten wieder Piste, Engine Run-up, und los.

Durchs Tal geradeaus, dann vor Saalfelden rechts, erster Meldepunkt „November“, zweiter „Lake“ über dem Zeller See. Anflugkarte schreibt vor: wer südlich kommt, bitte über 4.000 Fuß, nördlich unter 3.500 – so trifft man sich nicht.

Kein kontrollierter Luftraum, Tower meldet „Landung nach eigenem Ermessen“. Zwei weitere Flieger sind in der Nähe, wir entdecken nur einen, Tower eindringlich: „Ihr müsst Euch abstimmen!“. Brüchiger Funk des Unsichtbaren, Standort nicht zu verstehen. Bringe die Maschine runter, unkonzentriert, ein Golfplatz kurz vorm Aufsetzen. Flugplatz Zell am See ist ein sprödes Gebäude, bin enttäuscht, trotz Pizzeria. Unscharfes Foto geknipst. Neben dem Tower eine Frau in Burka, ihre Augen beobachten mich durch den Schlitz. Meine sehr kurzen Shorts sind auch schwarz, wenigstens eine Gemeinsamkeit.

Wir eilen, in einer Stunde wartet eine AirBerlin Maschine in Salzburg auf mich. Ein paar Bergkuppen angeschnitten, wir kürzen ab. Kulisse wie im Heimatfilm, grüne Alm, Gebirge, Kuhherde, Watzmann. Gleich kommt der Bergdoktor! Fluglehrer weist zahllose Skigebiete aus, während uns die Thermik so herumwirft, dass es mir Steuerknüppel und Gashebel aus der Hand reißt. Noch ein Holding über Whiskey, im Salzburg Anflug dann steife 20 Knoten Seitenwind. S-Kurven hinab zur Runway. Vorhaltewinkel, Tragfläche in den Wind hängen und Landung auf einem Rad. So die Theorie.

Taxiway zum Hangar, Avionics off, Maschine aus. Ein Doppeldecker rollt vorbei zum Start, gestern von der Air Challenge am Wolfgangsee gelandet mit einer Frau auf der Tragfläche. Traute mich kaum hinzuschauen. Am anderen Hangar klettern zwei Fallschirmspringer in eine Cessna. Immer noch 33° C. Schweiß rinnt mir in Strömen die Schläfe hinab in die Halsbeuge.

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