In front of round hangar.

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Mein rechter, rechter Platz ist leer…

Kaiserwetter. In diesen Himmel muss man hinein! Kollege Rolf weiß schon, dass er mitfliegen wird, ich noch nicht. Mein erster Passagier! Doch Rolf kennt keine Angst, landet das Ding notfalls auch von rechts, so sein Kommentar. Abenteuerlust, boarding completed. Schnallen uns an, verteilen die Rollen. Early left turn, Freitag nachmittag, voller Luftraum. Tower sendet pausenlos, Ohren aufsperren, wann wir gemeint sind.

„Are you able for short approach?“. Das fängt gut an, wie neulich, kein Kreis ist ein Kreis. Nächste Runde: „Extend via Wiskey, then looooong right turn and continue to Grödig“. Er hat looooong right turn gesagt. Schauen uns irritiert an. Grödig liegt links, abbiegen nach rechts? Kreativer Tag im Lotsenhaus. Ich rate: „Confirm right turn, also einen Kreis fliegen und dann nach Grödig?“. Ja genau.

Gesagt, getan. Missverständnis beim turning base. PAPI viermal weiß, zu hoch, egal, wir haben Platz. Und Zeit. Doch der Tower nicht, „Oscar Mike Charlie, left turn overhead Bravo, äh…“ (wir sind bereits hinter Bravo) „…äh turn left now“.

Rolf murmelt: Flaps up, Power reduce, Fuel pump and landing light off. Genießen 1 Minute oben in der Platzrunde, in der nichts zu tun ist. Landeanflug. Wind seitlich, drückt Leitwerk weg, unsichtbare Verwirbelungen über der Piste. Maschine steigt trotzig vorm Aufsetzen, verdreht sich um Hoch- und Längsachse. Rolf bleibt ruhig, vermute Todesangst. Muss blitzschnell entscheiden: kein Durchstarten. Schräg aufgesetzt, Maschine ächzt, sucht brav die Spur und schon wieder Start. Zauberwort: fehlerverzeihend!

Platzrunde wird voll, zwei weitere Maschinen sind gestartet. Spaßvogel hinter uns hat die Katana „in sight“, macht Witze mit dem Tower. Wir räumen das Feld, requesten Full Stop. Abschlusslandung buuuuuuuuuuutterweich, wir johlen. Taxi clearance via Exit 2. Abenteuer completed!

Und sie rollten in den Sonnenuntergang…

 

 

Traffic (Non-)Pattern

Touch and Go Landing. (c) Runkeeper

Letzter Flug vor 10 Wochen: Urlaub, Dies & Jenes. Aber heute. Spontane Chance. 19:31 Uhr, greife im Pilotenraum zum Telefon, Touch & Go Landings anmelden – um 20 Uhr endet dafür die Erlaubnis.

Vorher im Büro fliege ich „trocken“ Platzrunden. Murmele halblaut Funksprüche, greife in die Luft, bediene Schalter und Ruder. Gut dass mich niemand sieht, die Irre, die sich da selbst eine Checkliste vorliest.

Im Flieger der Fluglehrer off duty neben mir, als Sicherheitspolster, von Routine schließlich keine Spur. Die Uhr tickt, beeile mich mit den Checks, rollen schon zum Run-Up. Im Tower eine Frau, yeeeha. Ob wir ready for departure seien? Affirmative.

Schnell los, Traffic im Anflug. Kaum in der Luft bittet Tower um Short Pattern. Gleich rechts ab, schon cleared for Touch & Go, steil über Schwelle eindrehen. Landebahn ist sehr weit unten. Drei Kilometer Betonpiste scheinen plötzlich kurz, wie bin ich jemals auf 700m gelandet?

Dämmerung, glimmende Pistenbefeuerung. Klack-klack, klack-klack jagen meine Reifen über die Bodenleuchten. V rotate 55 Knoten, hebe schon wieder ab.

„Extend Downwind, traffic is a Katana overhead Maria Plain, report in sight“. Starren zum Kirchlein auf dem Berge, beste Sicht, keine Katana. Starren weiter, fliegen geradeaus über die Grenze nach Deutschland. Freilassing freut sich beim Abendessen über Fluglärm. Tower meldet erneut die Katana, nun im Short Final, der Fluglehrer spottet sie endlich. „Katana in sight“. „Follow as number 2“. Ich drehe ein.

Touch & Go, erneut der Tower, ob wir im Stande seien für ein 180° und change of direction. Klar, affirmative. Knapp die Safety Altitude für erste Manöver erreicht, greift Fluglehrer ins Ruder und legt 30° Kurve an. Ideale Übung, befindet er blitzschnell, für simulierte Engine Failure. „In solcher Höhe schaffst du es gerade so zurück zur Piste“. Na super.

Anflug wieder zu hoch, full Flaps, Gas weg. Abwarten, bis Piste näher kommt. Touch & Go. Mir schwant, ich hab die Fuel Pump zur Landung aus- statt eingeschaltet.

Jeeeez, die Dame vom Tower schon wieder, noch nicht mal 400 Feet above Ground. „What is your further intention, do you plan to continue with some airwork or do you make a full stop?“ 20 Uhr, Zeit abgelaufen, Full Stop please. „Ok. Fly via Whiskey and Grödig“. Also Umweg über die Raststätte und den Fuß des Untersbergs. Der kugelrunde Vollmond grinst uns auf Augenhöhe ins Gesicht. Schalte für ihn die Positionslichter an, dann Kurs auf Piste, finale Landung.

Das war: vier Mal im Kreis fliegen.

 

Abgeledert

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Frühjahrsputz der Vögel. Hangar ausgeräumt und Schwämme geschwungen. Schön die Bäuche geschrubbt, alles abgesprüht und trockengeledert. Es funkelte bis zur Runway, wo uns reger Flugbetrieb von Airberlin bis Flying Bulls beste Unterhaltung bescherte. Zum Abschluss für alle: eine köstliche Schnitzel-Einladung vom Vereinspräsidenten.

austro control: Season Opener

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Geriatrie Treffen. Ach nein! Wir sind beim Season Opener der austro control. 70 Männer und 2 Frauen verbringen gemeinsam fünf Stunden in einem neonbeleuchteten Tagungsraum des Austria Trend Hotels Salzburg. Ihr wisst, diese Teppichräume mit blau-grünen Rauten, modularen Wandelementen und braunen Mustern auf ineinandergehakter Bestuhlung. Immerhin kein Overheadprojektor, ein Beamer strahlt uns blaue Balken der Unfallstatistik mit tödlichem Ausgang an die Leinwand.

Unerfreulich und bekannt: die meisten Unfälle sind eine Folge von menschlichem Versagen, der Vortragende erläutert eindrucksvoll, dass wir im Notfall eine beträchtliche Kette von überlebenswichtigen Entscheidungen treffen müssen. In 70 Sekunden.

Dann betretene Stille im Raum: Film vom Absturz eines Profis durch die Wirbelschleppe eines vorausfliegenden Doppeldeckers.

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Selbst beim leidenschaftlichen Vortrag von Meteorologin Judith Käfer kommt nur wenig Farbe in die Neongesichter. Draußen wartet gar nicht mal so schlechter Kaffee, doch 15 Minuten reichen nicht weit, auch nicht um Fotos vom letzten Vogelschlag auf dem Smartphone anzuschauen.

Föhn

Eine Stimme aus dem Tower steht nun vorne. Neue Flugrouten, beim Baggersee jetzt links, aus Ainring wird Schaiding beim Start von der 33. Die neue Transition Altitude macht Schwierigkeiten beim Flug nach Deutschland, dort sind die Flieger schon auf Flight Level. Die neuen IFR Karten sind leer – alle Luftstraßen sind weg, verrückt!

Fünf Stunden lang Neuigkeiten, ich hätte stundenlang zuhören können. Auch wenn ich ab halb 11 zwischendurch an Kekse, Grillhähnchen und Leberkässemmel denken musste.

 

Eine geht noch

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Gänzlich den Überblick verloren, wieviele Prüfungen ich absolviert habe. Und denkste: Eine geht noch. Ein Sprachtest geht noch. Ein Sprachtest muss noch. Sagen sie. Wie Pilze poppen sie auf, diese Prüfungen. Seit Monaten.

English „Language Proficiency Test“. Damit wir nicht verloren gehen, da oben. Drei mögliche Level: 4, 5, 6. Bonus von Level 6: müsste nie mehr wiederholt werden. Das wär’s.

Es geht auf Zeit. Computer spuckt Bilder aus, eine Stimme stellt Fragen. Die blaue Sanduhr läuft unerbittlich. „Buchstabieren Sie KLSFIUCBDFSLASGZE“: Kilo Lima Sierra Foxtrot India… Jetzt kein Blackout! Gewitterfoto: „Describe the appropriate procedure in such weather conditions“. Hangar, ein Airliner in tausend Teilen. „Describe in detail“. In detail? Ein Geistesblitz, beschreibe, was ich NICHT sehe. Next: Sicherheitscheck. Wirbelschleppen. Landebahnbefeuerung. Nun Modusänderung: Komplizierte Fragen zu EU Recht. „What is your opinion“? Readback von einem Funkspruch, indischer Akzent. Funk fällt aus. „What do you do?“. Notruf eines anderen Flugzeuges. Wie reagieren? Zack zack zack. Frage 29. Von 29. Uff. Schnappe nach Luft. Keine Pause. Interview, 15 Minuten. Themenwahl frei – Gott sei Dank! Beschreibe meinen Job. Der ist eh zur Hälfte Englisch. Starte mit Steinzeit: Internetseiten und grüne Schrift. Schiele auf Stoppuhr. 3:15. Das Platzen der Internetblase noch vor mir. Prüfer fragt nach „heute“, bringe jedoch unbeirrt die Blase, Krise und Burnout. Stoff für Stunden! 9:25. Beschreibe komplexe Projekte und Visualisierungen. Prüfer findet das „very theoretical“. Themenwechsel. „When did you decide to become a pilot“. Homerun! Thank you very much. 15:00 Minuten.

Aufzeichnung vom Test wird nach Innsbruck geschickt. Zweitbewertung durch Language Proficiency Linguistic Expert. Dann ruft der Prüfer an. Notiz aus Innsbruck: „So muss sich Level 6 anhören!“. YEEEHA!

P wie „bestanden“!

 

Der große Tag: fühlt sich klein an. Die zwei FINALEN Flugprüfungen. Könnte aufgeregt sein, aber meinen Jahresvorrat an Angst haben Allein- und Dreiecksflug aufgebraucht. „Formsache“ wäre untertrieben. Aber ein Flug mit Piloten neben mir, die über 10.000 Landungen im Flugbuch stehen haben, erscheint mir komplett gefahrlos.

Sturm, Regen, Schnee in der Woche. Aber heute: Flugwetter. Gestatten, ich, die „Sonnengöttin“. Maschine gecheckt, klettere an Bord. Prüfer ist bereit. Mein erster Flug mit ihm. Mache schon beim Rollen den Brakes Check verkehrt, auch beim Engine Run-up abweichende Wünsche vom Gelernten. Spannend; oft gibt es kein Richtig und Falsch, aber ein Anders.

Take-off. Verlassen die Kontrollzone, erste Übung Langsamflug. Klingt banal, aber fliegt ihr mal auf der Stelle. Prüfer begründet, „wenn du Touristen an Bord hast“. Also merkt’s Euch, falls Ihr mal bei mir an Bord Erinnerungsfotos machen wollt. Strömungsabriss, Slippen, ganzes Programm, Steilkurven. Extra noch geübt. „Haste wohl geübt?“, schaut er mich an. Was für grüne Augen, bin ganz verwirrt. Doch Konzentration: zurück zum Flughafen, Anflug. Drei Landungen, alle gut. Rollen zum GAC. D-Check bestanden. Bin offiziell „prüfungsreif“.

Gönne mir eine Stunde Pause, dann DIE letzte Prüfung. Bin gut „eingeflogen“, Maschine ist warm. Den Prüfer bei den Flying Bulls ausgesucht, gönne mir ein bißchen Glamour im Cockpit! Flugplanung auf meinem Kneeboard, Prüfliste auf seinem. „Oscar Mike Charlie, in front of round hangars, information ‚Juliet’ received, request taxi“.

Zwei langatmige Standardturns zu Beginn, doch dann sofort Notlandeübung. Der Flying Bull zieht mir das Gas weg, jetzt muss es schnell gehen. Windrichtung? Rauchfahne! Drehe 180°. Suche: langes Feld, abgemäht, keine Hochspannungsleitung, keine Gräben, nah an Straße. Ich hab eins! Höhe abbauen, Flaps setzen, es irgendwie treffen. Unvermeidlich kommt uns der Boden entgegen. In Gedanken bei den Anwohnern am Mittagstisch, die mit offenem Mund den Löffel sinken lassen. Bevor wir am Wohnzimmer vorbeifliegen: durchstarten. 150m über Grund, niedriger nicht erlaubt, und auch das nur über unbewohntem Gebiet.

Next: Navigationsübung, Radial vom Flughafen Linz, interceptieren, Flugplatz LOLK finden. Drehen am VOR Knopf rum, schon die nächste Aufgabe. Strömungsabriss. Stall mit vollen Klappen. Stall mit Vollgas. Maschine fliegt noch! Zurück nach Salzburg, auf 3.500 Fuß quer über die Piste, seltene Sicht von oben auf winzige Airliner. Über der Runway: wieder Gas weg. Spotlanding, genau auf die Schwelle bitte. 2.000 Fuß Höhe abbauen, hantiere mit Klappen und dem richtigen Anflugbogen, die Schwelle saust unter mir durch, leider fliege ich noch. Doch es passt, 200m darf ich überziehen, Touchdown. Prüfer setzt Häkchen auf die Liste.

Noch zwei Landungen, mit Klappen, ohne Klappen. Wir rollen zum Hangar. Prüfer wird später „sehr gute Performance“ in die Unterlagen kritzeln. Im Pilotenraum Papierkram. Flugbuch. Bordbuch. Elektronische Schülerkladde. Prüfungsbogen. Kopien der Flugplanung. Medical. Funkzeugnis. Reisepass. Meldezettel. Du liebe Zeit!

Gratulation vom Prüfer. Ich soll es genießen. Also spaziere ich nochmal alleine aufs Vorfeld. Knipse ein bisschen herum. Stehe ein bisschen herum. Bin ein bisschen glücklich. Ich: die Pilotin. Denke das, ganz in Stille. So unwirklich! Vor 9 Monaten das erste Mal gestartet. Nun über 200 Landungen. Und jetzt???

 

 

 

Blowin‘ in the wind…

Homebriefing

Okay. Flug abgesagt. Kein Interesse, wie einer dieser Ballons hier mit 50 Knoten „schweren Sturmböen“ als Seitenwind durch die Luft zu treiben.

Der Himmel ist heute irgendwie unten

Verheerende Wettervorhersage. Doch Sonntag im Morgengrauen, da blinzeln Sterne. CAVOK: Clouds and Visibility OK! Aufs Rad und zum Flughafen. Doch die Webcams: Deutschland Nebel, Österreich Nebel, Salzburg eine Oase der Sonne. Werde wohl im Kreis fliegen müssen!

Mutterseelenallein und sehr klein auf dem großen Vorfeld. Sortiere meine Siebensachen auf dem leeren Copilotensitz. Ein kleines Product Placement für die Kollegen. Engine Run-up an Exit 1, Boeing rollt vorbei. Zu beschäftigt mit Instrumenten, Hebeln, Checklist, um zu winken. Squawk 7000, Luftdruck 1000. Tag der Schnapszahl?

„Behind landing Cessna line-up Runway one-five behind“.

Und ab in die Sonne, auf 6.500 Fuß. Durch Pass Lueg ohne Turbulenzengerumpel. Eine weiße Bettdecke quillt aus den Tälern, der Himmel ist heute irgendwie unten. Ist das schön. Aber null Sicht auf die Waypoints. Bischofshofen, hallo? Allein das iPad hilft jetzt weiter.

Wolfgangsee ist frei. Mondsee ist sonnig (haha). Penibel außerhalb der Kontrollzone bleiben, die da unsichtbar in der Luft beginnt. Rumgeknipst, darüber vergessen zu sinken, könnt ihr leider alles auf den Instrumenten nachsehen. Fliege ein 360°, brauche die Zeit zum Höhe abbauen. Vorne schon Strasswalchen. Werde irgendwann dort zum Autolagerplatz gehen und eine Kiste Bier abstellen, als Dank, dass die tausend Autos von oben so gut erkennbar sind.

Plötzlich Böen, ein Wolkenband fliegt in meine Richtung. Muss großen Haken schlagen, um ihm auszuweichen. Krame in meinem Kopf nach gelernten Pflichtabständen, ich will ja, 1.500m seitlich, doch es saust auf mich zu. Höher darf ich nicht, tiefer will ich nicht. Zack, vorbei. Das Wetter rüttelt, es wird dunkelgrau, erste hübsche, aber böse Lenticularis Wolken treiben durch die Luft. Beschließe Streichung der zweiten Ausflugsrunde, requeste Landung in Salzburg.

Tower schickt mich im Approach von Pontius zu Pilatus, fragt schließlich „is runway one-five possible for you, wind is 360, 7 knots“: heißt Kursänderung, Landung mit Rückenwind. Und beeilen soll ich mich auch. Kleiner Kamikaze-Anflug über die Autobahn, im Chaos erst spät mein eigenes Post-it entdeckt: Erinnerung an die Carburator Heat. Teil der Piste schon verbraucht, bin plötzlich unter 50 Knoten, doch fehlen noch 5m zum Boden. Der Wind schiebt und trickst, keine Stallwarnung. Vom 5-Meter-Turm in ein leeres Schwimmbad springen? Touchdown. Maschine landet auf einem Rad (leider unabsichtlich) und bleibt dabei (leider ewig), dann endlich gibt sie auf. Tower schickt mich über „Charlie“ von der Bahn, da bin ich schon längst bei „Delta“. Heimlich stehle ich mich davon, unter ihren riesigen Panoramafenstern.

Bin geistig total kaputt: Alone in the sky mit ein paar Propellerblättern, offenen Fragen und diesem Wahnsinnsblick. Jeder Flug ist ein eigenes, grandioses Abenteuer. Bin heute amüsiert unentschlossen, ob ich wünsche oder fürchte, dass es so bleibt!

Bye-bye for today…

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My beautiful Berlin. Fernsehturm zeigt auf Flughafen Tempelhof. Verzweiflung, niemals dort selbst landen zu können!