Der Himmel ist heute irgendwie unten

Verheerende Wettervorhersage. Doch Sonntag im Morgengrauen, da blinzeln Sterne. CAVOK: Clouds and Visibility OK! Aufs Rad und zum Flughafen. Doch die Webcams: Deutschland Nebel, Österreich Nebel, Salzburg eine Oase der Sonne. Werde wohl im Kreis fliegen müssen!

Mutterseelenallein und sehr klein auf dem großen Vorfeld. Sortiere meine Siebensachen auf dem leeren Copilotensitz. Ein kleines Product Placement für die Kollegen. Engine Run-up an Exit 1, Boeing rollt vorbei. Zu beschäftigt mit Instrumenten, Hebeln, Checklist, um zu winken. Squawk 7000, Luftdruck 1000. Tag der Schnapszahl?

„Behind landing Cessna line-up Runway one-five behind“.

Und ab in die Sonne, auf 6.500 Fuß. Durch Pass Lueg ohne Turbulenzengerumpel. Eine weiße Bettdecke quillt aus den Tälern, der Himmel ist heute irgendwie unten. Ist das schön. Aber null Sicht auf die Waypoints. Bischofshofen, hallo? Allein das iPad hilft jetzt weiter.

Wolfgangsee ist frei. Mondsee ist sonnig (haha). Penibel außerhalb der Kontrollzone bleiben, die da unsichtbar in der Luft beginnt. Rumgeknipst, darüber vergessen zu sinken, könnt ihr leider alles auf den Instrumenten nachsehen. Fliege ein 360°, brauche die Zeit zum Höhe abbauen. Vorne schon Strasswalchen. Werde irgendwann dort zum Autolagerplatz gehen und eine Kiste Bier abstellen, als Dank, dass die tausend Autos von oben so gut erkennbar sind.

Plötzlich Böen, ein Wolkenband fliegt in meine Richtung. Muss großen Haken schlagen, um ihm auszuweichen. Krame in meinem Kopf nach gelernten Pflichtabständen, ich will ja, 1.500m seitlich, doch es saust auf mich zu. Höher darf ich nicht, tiefer will ich nicht. Zack, vorbei. Das Wetter rüttelt, es wird dunkelgrau, erste hübsche, aber böse Lenticularis Wolken treiben durch die Luft. Beschließe Streichung der zweiten Ausflugsrunde, requeste Landung in Salzburg.

Tower schickt mich im Approach von Pontius zu Pilatus, fragt schließlich „is runway one-five possible for you, wind is 360, 7 knots“: heißt Kursänderung, Landung mit Rückenwind. Und beeilen soll ich mich auch. Kleiner Kamikaze-Anflug über die Autobahn, im Chaos erst spät mein eigenes Post-it entdeckt: Erinnerung an die Carburator Heat. Teil der Piste schon verbraucht, bin plötzlich unter 50 Knoten, doch fehlen noch 5m zum Boden. Der Wind schiebt und trickst, keine Stallwarnung. Vom 5-Meter-Turm in ein leeres Schwimmbad springen? Touchdown. Maschine landet auf einem Rad (leider unabsichtlich) und bleibt dabei (leider ewig), dann endlich gibt sie auf. Tower schickt mich über „Charlie“ von der Bahn, da bin ich schon längst bei „Delta“. Heimlich stehle ich mich davon, unter ihren riesigen Panoramafenstern.

Bin geistig total kaputt: Alone in the sky mit ein paar Propellerblättern, offenen Fragen und diesem Wahnsinnsblick. Jeder Flug ist ein eigenes, grandioses Abenteuer. Bin heute amüsiert unentschlossen, ob ich wünsche oder fürchte, dass es so bleibt!

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Ein Gedanke zu „Der Himmel ist heute irgendwie unten

  1. Super liebe Petra – du bist ja mutig! Vielleicht machst du ja mal ´ne Zwischenlandung im Allgäu auf einen „Kaffeeplausch“! Liebe Grüße Barbara
    PS. und wenn du nach Ubud fliegst – nimm mich mit „grins“

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