ILA 2016: Lazarettflugzeug der Luftwaffe

Während eines Displays mit viel militärischem Testosteron schleiche ich mich unauffällig ans kurze Ende der Warteschlange für einen Besuch im Lazarettflugzeug A310 304MRTT MedEvac.

Wenn man im Innenraum nach oben schaut, sieht alles ganz normal aus – nur befinden sich in den Gepäckfächern keine Koffer, sondern Tonnen von medizinischem Material. Auch sonst ist alles anders. Es gibt wenige Sitzplätze – für ca. 25 Ärzte. Der Rest kann je nach Konfiguration über 50 liegende Patienten beherbergen, davon sechs mit Intensivbetreuung, für 10 Stunden in der Luft. Der ganze Innenausbau wurde so, wie wir ihn heute sehen, vor 5 Jahren konzipiert. Seitdem hat jedes einzelne Instrument einen monatelangen Prüfprozess zur Erreichung der Airworthiness durchlaufen. Und jedes Mal, bei Neueinbau oder Entfernung eines Elements: same procedure.

Die Maschine steht jederzeit bereit, um innerhalb von 24 Stunden in Kriegs- oder Krisengebiete starten zu können. Der leitende Arzt zählt auf: Terroranschläge, Naturkatastrophen und Einsatzgebiete in all den Kriegen, die wir aus den Nachrichten kennen.

Der Pilot im Cockpit hat wohl auch schon alles Übel dieser Welt gesehen. Ich sitze kurz auf dem Copilotensitz, umgeben von einer Trilliarde Schalter. Wir fachsimpeln, mit wieviel Seitenwind die A310 noch landen darf (30kn) und mit wieviel er sie schon im Simulator hinuntergebracht hat (40kn).

„Das Beste an diesem Flugzeug“, sagt noch der leitende Arzt, „ist der moralische Effekt auf die Truppe. Wer das hier gesehen hat, weiß, dass wir da sind. Wir fliegen an jeden Ort der Welt, um Soldaten zu holen. Auch wenn es nur ein Einzelner ist“.

Spooky und beeindruckend.

Berlin Air Show 2016 – Bilderbuch

Berlin Airhsow 2016, 2. Juni, 18:00:

A380

Eine Minute nach diesem Foto war ich patschnass.

Das war übrigens auch eine Minute nach dem letzten Display und eine Minute nach Schluss der ILA für diesen Tag.

Zu Fuß auf dem Runway

Trotz nicht unerheblicher Versuchung klammerte ich mich am gestrigen Abend an einem einzigen Cocktail fest, während um mich herum alle in den seligen Nebel der Beschwipstheit entglitten. Nüchternsein stand an, und nach viereinhalb Stunden Tiefschlaf klingelte der Wecker. Ich strampelte mein Fahrrad in Richtung Flughafen.

Die Befragung des Flugwetter Orakels ergab aufkommende Föhnwinde, und nachdem ich gestern in den Bergen bereits durch allen möglichen Wochenends-Unrat geflogen war (Flugzeuge, Segelflieger, Paraglider), entschieden wir uns heute fürs Flachland, genauer gesagt für Deutschland.

Im Pilotenraum bekamen wir den heißen Tipp ‚Vilshofen‘, uns wurde freundlichstes Personal und ein beschauliches Café versprochen, außerdem die schöne blaue Donau: nun gab es kein Halten mehr.

Wir googelten nach Anflugplänen und breiteten einige Quadratmeter Luftfahrkarte aus, rätselten Funkfrequenzen und Lufträume zusammen und starteten schließlich Richtung Norden. Bald war der Inn in Sicht, und wir überflogen den Flugplatz Schärding (mit dem wir peinigende Touch & Go’s verbinden). Wo Inn in die Donau einbiegt, biegen wir links ab. Auf 4.500 Fuß schauen wir uns Passau von oben an.

Und schon ist die Piste von Vilshofen in Sicht, märchenhaft auf einem Grasstreifen neben der Donau, beim Golfsport würde man von einem lupenreinen Links Course sprechen.

Großes Rätselraten, wo genau die Platzrunde beginnt. Gleichzeitig mit uns meldet sich ein zweiter Flieger im rechten Gegenanflug. Kurze Panik, dann entdecke ich ihn direkt vor uns und melde uns als „Nummer Zwo“. Wir kleben ihm wahrlich an der Heckflosse, daher hole ich weit aus und verlangsame für einen vernünftigen Sicherheitsabstand.

Über zwei Industrieschornsteinen, die uns wie Mikadostäbe entgegenragen, drehe ich in den „rechten Queranflug“ und Sapperlot, als ich Luft hole um dies zu funken, meldet sich ein dritter Flieger „im rechten Queranflug“. Ich sehe ihn genau auf uns eindrehen und sage „Oscar Mike Bravo, im langen Endteil, wir haben Verkehr von rechts, der genau auf uns zufliegt“. Der „Verkehr“ räumt ein, uns zu sehen und dass er sich hinter uns einreihe, jetzt haben WIR jemandem im Nacken. Auch der Tower findet das alles recht eng und bittet nachdrücklich um Einhaltung von genügend Abstand.

Trotz aller „Distractions“ die Maschine butterweich gelandet. 1.000 Meter Bahn sind aber auch reichlich Grund zur Entspannung.

Das Schmankerl von Vilshofen ist aber nicht allein die schöne Donau und Parken mit Blick aufs Wasser, sondern dass wir nach Abstellen der Maschine zu Fuß über die Piste spazieren müssen, um zum Tower zu gelangen. Jede einschwebende Maschine könnte uns nun den Kopf abrasieren, während wir Erinnerungsfotos knipsen. Die feisten Sonntagsfamilien mit ihren Floralprint Blusen über Doppel-D-Korsagen starren uns mit vollem Mund und einer Mischung aus Unverständnis und gnadenloser Ehrfurcht an.

Am Brunchbuffet mit Kraut und Haxn vorbei in den Tower, bezahlt, Flugplan aufgegeben, aufs Klo (Schlange mit Floralprint Blusen) und wieder ins Cockpit. Jetzt bin ich die Copilotin und kühle das Navigations-iPad in der Luftstromdüse, da es sich bei den herrschenden Sonmertenperaturen gerne mal kurzerhand auf 70 Grad aufheizt und ausschaltet.

Free of traffic. Ruhiger Flug nach Hause, die liebgewonnene Piste 33 liegt vor uns, Landing Time two three, Servus und vielen Dank! Transponder Standby.

Rolle rückwärts

DC-6

Rausgerollt aus dem Hangar 8: Die DC-6 muss am Sonntag zur Arbeit.

Bumpy Ride

Nach Zell am See über deutsches Gebiet. Berge, Wolken, Regen, Böen, Seitenwind, Sonne, Sonne, Sonne. So beautiful.

Ich bin verliebt.

Heli-ecureuil

There is a new helicopter in da house.

AS350 B3+ Écureuil.
Photo by The Flying Bulls.
Design by Michael Zajc.

Sundowner auf dem Heimweg

hangar-7hangar-8

Hangar 7 und Hangar 8, Salzburg LOWS.

Nose down: Sturzflug!

Heute stramme Windhose, Böen bis 19 Knoten. Im Gegensatz zu gestern, wo ich gekniffen habe, ist heute ein Fluglehrer dabei. Also an Bord. Ich hab‘ Pläne!

Salzburg Flughafen am Brückentag – ein Bienenschwarm. Sollen von Delta starten! Ready for departure, doch Tower bittet um short Backtrack. Hinter uns wartet eine Maschine, soll vorbei und starten, weil schneller. Ich rolle also „falsch herum“ auf die Piste, wende und warte. Denke an Absturzvideo von neulich: Startfreigabe erfolgt, als Maschine vor uns über der Schwelle aufsteigt. Jetzt dankbar für Wind: schiebt nicht nur Flugzeug, sondern auch Wirbelschleppen zur Seite.

Ziel Kirchheim LOLK, 743m Piste, erst im Final entdeckt. Runway liegt längs eines Hügels, schweben plötzlich im Lee, fallen Richtung Wiese. Gebe Gas (immerhin reflexartig), vor uns zwei Häuser direkt im Anflug, ziehe Maschine über das Dach. Wie kann man dort wohnen? Böen wirbeln, alles recht unkontrolliert, hantiere mit allen Rudern. Fluglehrer hilft. Endlich setzt Maschine auf, jetzt schnell, wenig Piste übrig für den Start. Versuchen das drei Mal, dann Abbruch, zu viel Risiko.

Plausch im Tower, 3 Segelflieger landen, teils Harakiri, teils souverän. Wir verlassen Kirchheim. Verkehr von links, der sich nicht meldet. Weichen aus mit Parabelflug ohne Parabel, wollten eh auf 5.000 Fuß, melde Airworks bei Wien Info.

Hab Umkehrkurve beim Fluglehrer bestellt, der Angstschweiß rinnt. „Your controls“, ich lasse alles los, bereit für die Ohnmacht. Fuel pump on, carburator heat on. Fluglehrer drückt Maschine nach unten, Vollgas, wir brauchen Fahrt. 100 Knoten, dann Nase hoch, mit 60 Knoten steil in den Himmel. Ruder nach links (wovor wir IMMER gewarnt wurden). Wir kippen über den Flügel ab!

Fühlt sich an wie im Traum: Stille, in Zeitlupe dreht sich die Welt. Maschine nimmt Kurs auf den Kobernaußer Wald unter uns. Es geht abwärts, Speed is a hell lot of rising! Abfangen! 2 G drücken auf die Konstruktion und auf mich. Und… Fluglage normalisiert.

Gleich nochmal. Ich lebe schließlich noch!

Ich wollte es so: nun muss ich selbst das Manöver fliegen. Nose down – Fahrt 100 – Hochziehen – Vollgas – Linkes Querruder – Kippen in Zeitlupe – Gas raus – Maschine wird schnell. Abfangen wirkt leicht, doch dann saugt sich die Maschine Richtung Boden wie ein Magnet. Kraft und klarer Kopf, wir haben Luft – und back to 80 Knoten. Yeeeha. Cool!

Naiv einen ruhigen Rückflug erwartet, doch Fluglehrer fragt: „Mogst amol an Sturzflug mochn?“. Angst. Na klar! Schon sind wir fast im Stall, Speed maximal abgebaut: NOSE DOWN!

Ich starre auf Baumwipfel.

Alles so grün, denke ich noch. Maschine schießt abwärts. Propeller windmillt wie von Sinnen. Abfangbogen ist laaaaaaaang. 1.000 Fuß verloren, aber Nerven behalten. Das macht tierisch Spaß! Mit einer Kunstflugmaschine mal richtig durch die Luft wirbeln? Ich hab wohl ein neues Ziel…

 

Hangar 9

Im Nachbarhangar herumgetrieben und nachgeschaut, was heute mal nicht in der Luft ist.