Zu Fuß auf dem Runway

Trotz nicht unerheblicher Versuchung klammerte ich mich am gestrigen Abend an einem einzigen Cocktail fest, während um mich herum alle in den seligen Nebel der Beschwipstheit entglitten. Nüchternsein stand an, und nach viereinhalb Stunden Tiefschlaf klingelte der Wecker. Ich strampelte mein Fahrrad in Richtung Flughafen.

Die Befragung des Flugwetter Orakels ergab aufkommende Föhnwinde, und nachdem ich gestern in den Bergen bereits durch allen möglichen Wochenends-Unrat geflogen war (Flugzeuge, Segelflieger, Paraglider), entschieden wir uns heute fürs Flachland, genauer gesagt für Deutschland.

Im Pilotenraum bekamen wir den heißen Tipp ‚Vilshofen‘, uns wurde freundlichstes Personal und ein beschauliches Café versprochen, außerdem die schöne blaue Donau: nun gab es kein Halten mehr.

Wir googelten nach Anflugplänen und breiteten einige Quadratmeter Luftfahrkarte aus, rätselten Funkfrequenzen und Lufträume zusammen und starteten schließlich Richtung Norden. Bald war der Inn in Sicht, und wir überflogen den Flugplatz Schärding (mit dem wir peinigende Touch & Go’s verbinden). Wo Inn in die Donau einbiegt, biegen wir links ab. Auf 4.500 Fuß schauen wir uns Passau von oben an.

Und schon ist die Piste von Vilshofen in Sicht, märchenhaft auf einem Grasstreifen neben der Donau, beim Golfsport würde man von einem lupenreinen Links Course sprechen.

Großes Rätselraten, wo genau die Platzrunde beginnt. Gleichzeitig mit uns meldet sich ein zweiter Flieger im rechten Gegenanflug. Kurze Panik, dann entdecke ich ihn direkt vor uns und melde uns als „Nummer Zwo“. Wir kleben ihm wahrlich an der Heckflosse, daher hole ich weit aus und verlangsame für einen vernünftigen Sicherheitsabstand.

Über zwei Industrieschornsteinen, die uns wie Mikadostäbe entgegenragen, drehe ich in den „rechten Queranflug“ und Sapperlot, als ich Luft hole um dies zu funken, meldet sich ein dritter Flieger „im rechten Queranflug“. Ich sehe ihn genau auf uns eindrehen und sage „Oscar Mike Bravo, im langen Endteil, wir haben Verkehr von rechts, der genau auf uns zufliegt“. Der „Verkehr“ räumt ein, uns zu sehen und dass er sich hinter uns einreihe, jetzt haben WIR jemandem im Nacken. Auch der Tower findet das alles recht eng und bittet nachdrücklich um Einhaltung von genügend Abstand.

Trotz aller „Distractions“ die Maschine butterweich gelandet. 1.000 Meter Bahn sind aber auch reichlich Grund zur Entspannung.

Das Schmankerl von Vilshofen ist aber nicht allein die schöne Donau und Parken mit Blick aufs Wasser, sondern dass wir nach Abstellen der Maschine zu Fuß über die Piste spazieren müssen, um zum Tower zu gelangen. Jede einschwebende Maschine könnte uns nun den Kopf abrasieren, während wir Erinnerungsfotos knipsen. Die feisten Sonntagsfamilien mit ihren Floralprint Blusen über Doppel-D-Korsagen starren uns mit vollem Mund und einer Mischung aus Unverständnis und gnadenloser Ehrfurcht an.

Am Brunchbuffet mit Kraut und Haxn vorbei in den Tower, bezahlt, Flugplan aufgegeben, aufs Klo (Schlange mit Floralprint Blusen) und wieder ins Cockpit. Jetzt bin ich die Copilotin und kühle das Navigations-iPad in der Luftstromdüse, da es sich bei den herrschenden Sonmertenperaturen gerne mal kurzerhand auf 70 Grad aufheizt und ausschaltet.

Free of traffic. Ruhiger Flug nach Hause, die liebgewonnene Piste 33 liegt vor uns, Landing Time two three, Servus und vielen Dank! Transponder Standby.

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