Cruising Berchtesgaden

Jahrhundertsommer, immer noch so heiß, ein paar Tuffwölkchen am Himmel. Ja gut, Towering Cumulus sind angesagt, ich sehe sie auch schon am Horizont quellen, aber heute, endlich, werden Rudi und ich zum ersten Mal zusammen fliegen. GAFOR springt auf orange, also ändern wir die Route nochmal ein bisschen, aus Zell wird St. Johann, und schon rollen wir mit einem gut gelaunten Tower zum Start.

Der Maschine gefällt die Hitze, sie schnurrt und stellt alle Instrumente brav auf Grün. Wir fliegen nach Norden Richtung Chiemsee, erster Sightseeing „Stop“ mit all den kleinen Segelbooten da unten.

Auf Flightradar24 schaue ich nach Verkehr, hier ist oft viel los und die App leistet über dem See ganze Arbeit. Zwei Maschinen kommen links aus dem Tal, kreuzen unter uns, no Factor.

 

Vor uns jetzt der Inn, wir folgen ihm nach links und überfliegen Kufstein, eine kurze Graspiste zwischen den Bergen. Traumhafte Kulisse, eine Bilderbuchseite nach der anderen. Vor lauter Begeisterung vergessen wir abzubiegen, also doch bis Wörgl und dann erste Meldung bei Ellmau. Piste 31 ist in Betrieb, wir müssen also erst mal in die Platzrunde.

In St. Johann herrscht Hochbetrieb, aus irgendeinem Grund sind plötzlich fünf Maschinen im Anflug und zwei im Abflug (wartend). Wir sind Nummer 3 und sollen früh in den Queranflug eindrehen. Zwei Pilatus PC12 sausen auf St. Johann zu, ich muss nach dem Aufsetzen schnell wenden und von der Piste verschwinden. Das gelingt, so dass sogar noch eine der zwei wartenden Maschinen starten kann.

 

Die PC12s kennen sich gar nicht, reiner Zufall, dass die Maschinen aus Österreich und der Ile of Man zeitgleich eintreffen. Wir beobachten eine fantastische Landung. Einer der Piloten erzählt mir später, dass ihm auch eine 550m Piste reiche – je nach Gewicht. Sie laden Touristen und Gepäck aus und trinken einen Kaffee.

Das machen wir auch. Die Piste ruht still wie der See, kein einziger Verkehr mehr. Versteh einer die Welt. Als wir später unsere Maschine fertig machen, rollen auch die PC12s schon wieder zum Start, sie winken uns fröhlich aus dem Cockpit. Eine von ihnen steht am Holding Point, da holt sie der Tower zurück, die Passagiere hätten was vergessen…

Also taxelt sie die Piste hinunter. Wir rollen zum Start, hinter uns ein eigelbes Ultralight, danach nimmt wieder die PC12 mit den vergesslichen Passagieren Aufstellung. Als wir schon in der Luft sind, hören wir die PC12 zum Ultralight funken, es möge ihnen bitte nicht so viele Wirbelschleppen bescheren. Sehr gelacht. Wir verlassen die Frequenz und hoffen, dass die schnelle Pilatus nicht gleich über uns hinwegbraust.

Mit den Bergspitzen Aug in Aug, Richtung Lofer und Bad Reichenhall. Rudi zeigt mir den Untersberg von oben, seltene Ansicht! Dann kurven wir im Berchtesgadener Tal herum. Rudi kennt jeden Bergzacken und gefühlt auch jedes Haus: Geschwister, Verwandte, Bekannte, Arbeitsplatz, Schule, Skilifte, Schanze, Bobbahn…

 

Unseren Plan, den Königssee zu überfliegen, vereiteln dann doch schlussendlich die Wolken. Somit bauen wir Höhe ab, fliegen am Untersberg entlang nach Grödig und dann im Abendlicht straight in auf die 33. Sehr schöne Landung von Rudi! Sehr schöner Flug! Traumhafte Landschaft! Wir beschließen beim Landebier: das machen wir bald wieder.

Ein wenig Botswana in den Alpen

Heute sattelten Rolf und ich unsere Katana für eine Stippvisite unseres „Haus- und Hof-Flughafens“ St. Johann in Tirol (LOIJ). Die Hitzewelle macht auch vor Salzburg nicht halt, und wir flogen schon am frühen Morgen durch Dunst und unter Cumuli, mit stündlich steigenden Temperaturen.

Wir starteten Richtung Deutschland, da die GAFOR Routen in den Bergen noch rot waren, und kurvten ab Höhe Chiemsee durch die Täler nach St. Johann. Der telefonisch gemeldete Crosswind mit 10 Knoten war dort schon gänzlich eingeschlafen, trotzdem ungewöhnlicherweise Piste 13, was für uns aber ideal passte. Andere Luftverkehrsteilnehmer verwechselten Piste 13 und 31, was für kurzzeitige Verwirrung sorgte, aber wir kamen ungestört zum Touchdown.

Am Boden wartete Kajsa, mit der ich neulich noch in Botswana herumflog 🙂 JUHU! Sie und ihre Familie machen Urlaub in den Bergen, so gelang uns ein kleines Revival Treffen! Lstiges Gefühl, in dem kleinen Alpendörfchen St. Johann über unsere Flugerlebnisse in Afrika zu plaudern. Wonderful. Hoffentlich bald wieder, liebe Kajsa!!!

kajsa-petra-loij

Dann war schon wieder Abflug, ein kleiner Hüpfer nach Zell am See, wo inzwischen die verlängerte Piste in Betrieb ist. Wir parkten auf frisch gemähtem, duftenden Gras, der Traktor polterte noch vor uns vorbei. Kurz bezahlt, dann gleich wieder an den Start und über den See – zuhause wartete der Nächste auf die Maschine.

Auf dem Heimflug noch ein bisschen Gegenverkehr, dann durch Pass Lueg straight in auf die RWY 33. Herrlicher kleiner Ausflug mit – wie immer – great teamwork an Bord mit Rolf. Merci!

Wohnen im Hausflugzeug

Hausboot? Hausflugzeug! Eine Boeing 727 parkt in Portland, Oregon, im Wald. Coole Wohnung mit einer Menge Vorteilen, wie im Artikel erzählt wird. https://www.atlasobscura.com/places/airplane-home-in-the-woods

(Alle Fotos aus dem Atlas Obscura Artikel)

Geschickt eingefädelt

IMG_2374

Rolf prüft kritisch die Wetterlage. Ist da hinten Regen? Im Pilotenraum wird von „perfektem Wetter“ gesprochen. Es gibt also keine Ausrede. Flugplan aufgegeben für Platzrunden, und ich fang‘ an.

Wir satteln die gesunde Katana (die andere steht krank im Hangar). Eben noch Totenstille auf dem Vorfeld, aber plötzlich Hummelflug. Der Tower ist im Dauersprechfunk. Da, eine kurze Lücke, wir pressen unsere kleine Wortmeldung hinein. Cleared for left hand traffic circuit, auf zum Holding Point Echo, und ab die Post. Erste Landung. Kaum wieder in der Luft, fragt der Tower: „Oscar Mike Bravo, are you motivated for a Short Pattern?“. Affirmative, natürlich, und „turn left now“. Short Approach auf die 33, Rolf zitiert auswendig „orgelt um die Kurve“.

Neue Aufgabe vom Tower: „Now please fly a long pattern and extend via Whiskey“. Alles kein Problem, wo ist die Saalach, ah hier, abdrehen, sonst Deutschland. Bei Whiskey die LKW Kolonnen betrachtet, dann sollen wir nach Grödig extenden, doch vorher ruft er schon zum turning Base. Dritte brilliante Landung, ich will ja nicht prahlen, aber isso! Rolf gibt sich begeistert. Ein zweiter Flieger ist in der Platzrunde. Sie kommen aus allen Löchern, die Holding Points sind voll mit wartenden Flugzeugen. Ich melde „next stop is full stop please“. Im Downwind dann die letzte Aufgabe vom Tower (arbeitet er eigentlich eine Übungsliste ab?): „Are you able to stop before Delta?“. Kurz durchgezählt, wo ist Exit Delta, naja, weniger als ein Drittel der Piste zum Landen. „Affirmative“, klaro, interessante Idee. An Delta steht eine Cessna, die dann vor mir rausrollen und starten wird. Das nenne ich mal effizientes Verkehrsmanagement. Ich MUSS jetzt die Schwelle treffen, sonst reicht mir der Platz nicht, und siehe da, die Reifen sitzen genau auf der Linie. „Thank you for the cooperation“, die Cessna startet bereits, und wir dürfen bei Delta einbiegen.

Rolf’s Turn. Da fängt’s schon am Boden an: Gegenverkehr und bitte bei Lima 1 den Run-up machen. In der Luft dann gleich mal rauf auf 3.000 via Whisky, unter uns kreiselt jemand im Holding West auf Zweieinhalb. Der geht in den Anflug, nun sinken wir auf Zweieinhalb und gehen selbst ins Holding West. Auch Rolf wird nach seiner „Motivation for a Short Approach“ befragt, und schon saust er im spitzen Winkel zur Schwelle. Die Maschine vor uns hat ein Touch & Go gemacht. Jetzt kommt uns Alpha Traffic entgegen, es wird eng. Der Tower bittet um „minimum time on the runway“ und schickt uns in einen early left turn. Rolf will schon schneidig rüberziehen, da ergänzt der Tower noch „overhead the Round Hangars“. Seltene Fotos zeigen uns direkt über dem Taxiway und eben jenen Hangars, ungewöhnliche Aussicht. Hallo die Kollegen im Greentower, wir können in Eure Fenster sehen!!

Der Airbus landet, es gibt ein Missverständnis, er rollt nicht rechtzeitig bei Echo ab. Somit bleibt Foxtrott, und die Easyjet, die zum Start rollt, muss bei Echo raus und ein Backtrack machen. Das kostet ungeplante Zeit, wo doch die Oscar Alpha Alpha gerade von ihren Airworks nach Glasenbach zurückkommt. Die wiederum wird durch eine pfeilschnelle Citation im Circling Approach rechts überholt, die vor ihr ins Final einfädelt. Wir kreiseln derweil wieder im Holding, bis sich das Tetris Spiel da unten ausgeht. Wir sind Number Two hinter der Oscar Alpha Alpha. Die andere Maschine in der Platzrunde wartet auf Whiskey in 3.000 Fuß, „looking out“, entdeckt uns aber nicht und muss mehrere Positionsmeldungen lang suchen. „Anton“ heißt der Controller, wie nebenbei noch in einem Plausch geklärt wird, er sortiert mit Freude die ganzen unterschiedlichen Puzzlestücke zu einem schönen Bild. Wir extenden inzwischen nach Grödig, die Maschine hinter uns hat uns endlich gesehen und folgt als Number Three mit speed restriction. Rolf landet sauber, während der Tower der Maschine hinter uns mitteilt, sie sei „far too close“ (herrliches Paradoxon!) und sie möge doch bitte durchstarten. Als wir abrollen, braust sie über unsere Köpfe.

Nach dem Fliegerputzen (Rolf putzt gentlemanlike, während ich mit unserer guten Technik-Seele plaudere im Dienst an der kranken Schwestermaschine) brauchen wir ein Landebier und am besten auch eine Landemahlzeit. Wir cruisen im schicken Oldtimer Cabrio mit wehenden Haaren (also zumindest meine) wieder auf die Platzrundenhöhe zu Dax Lueg. Dax Lueg hat zu, Groll! Aber wer kann angesichts dieses Sonnenuntergangs schon finden, dass die Tour auf den Hügel umsonst war. Knipsknips! Ein Bier gibts auch anderswo, und zu futtern auch. Schönen Abend!