Last Minute: Scheinverlängerung!


 

Drei Wochen Nebel. Dicker Nebel, dünner Nebel, hoher Nebel, überall Nebel. Buchstäblich kein einziger Tag VFR, dabei tickt doch meine Uhr, PPL Scheinverlängerung bis zum 28. Februar (warum muss der Monat auch noch so kurz sein).

Da, der 25. Februar, Wind bläst cross, Böen bis 20kt, aber der Fluglehrer ruft fröhlich an, er würde losfahren. Schweißausbruch bei minus 10 Grad, ich ziehe zwei lange Unterhosen an, niemals hätte ich heute die Wohnung verlassen, Sonne egal, es ist sibirische Kälte. Verstehe die Leute nicht auf meinem Weg zum Flughafen, die da eckig „spazieren“ gehen wie die Eskimos und steifgefrorene Hunde an der Leine hinter sich herziehen.

Beim Sicherheitscheck brauche ich ewig, bis ich alle Schichten ausgezogen und wieder angezogen habe, dann piepst es auch noch und ich muss in der Eiseskälte aus meinen Schuhen aussteigen.

Auf dem Vorfeld steht die Maschine schon in der Sonne, der gute Fluglehrer hat die Zeit genutzt und getankt, gecheckt, gewärmt (wir basteln vor dem Anlassen eine komplizierte Warmluft-Zufuhr an unsere Katanas, die Daniel Düsentrieb Freude bereiten würde, um die Maschine und das Öl annähernd auf Temperatur zu bringen).

Ich bin wegen Arbeit, Arbeit, Arbeit und ein wenig schlechtem Wetter seit November nicht mehr geflogen (außer in Florida) und weiß schon gar nicht mehr genau, wo eigentlich vorne und hinten ist.

Ich steige ein, gar nicht so einfach, diese Gurte über 2 dicke Daunenjacken zu spannen, noch dazu hat vor mir ganz offensichtlich ein Zwerg diese Maschine zuletzt betrieben, und ich muss erst mal jede einzelne Strippe in die Länge ziehen. Nach dem Manöver ist mir endlich heiß, jetzt beschlägt die Canopy, was für eine missliche Lage.

Am Funk ist „der Ungeduldige“, ich sage fein mein Sprüchlein und wir rollen zum Start. Bei der Kälte geht’s steil aufwärts, ich bin noch nicht am Ende der Piste, da liegt der Flughafen schon briefmarkenklein unter uns. Der Tower sagt irgendwas, was ich nicht höre, der Fluglehrer greift ein. Fängt ja gut an.

Wir müssen mit einem kleinen Kniff eine Platzrunde simulieren, die am Sonntag nicht zulässig ist, denn wir brauchen zwei Landungen. So fliegen wir ein Stückchen weg und kreiseln dann in der Gegend herum, weil IFR Traffic uns den Rückweg versperrt. Also machen wir ein paar Steilkurven, die eigentlich gut verlaufen, vermutlich weil sie nicht sehr steil waren.

Noch in der Kurve soll ich dann stallen, im Gedächtnis blättere ich meine Schulungsunterlagen durch, wo geschrieben stand, die Querruder IMMER kerzengerade zu halten. Meinen vorsichtigen Einwand wischt der Fluglehrer vom nicht vorhandenen Tisch, wir stallen, die Katana wimmert (ich innerlich auch), und dann wieder ausleiten. Wir sind nicht abgekippt, ich buche das als Erfolg.

Die Piste ist frei, wir tuckern wieder zurück. Da wir aufgrund des strammen Seitenwindes ohnehin vorhalten müssen, fehlt nicht viel zum Slip und wir rutschen lässig in Richtung Piste. Die Easyjet, die seit meinem Long Final an der Schwelle wartet, hat somit wenigstens ein bisschen Unterhaltung.

Die Landung gelingt gut, kurzer Bodenkontakt und hui, schon wieder Briefmarke. Auf dem Weg zum Pass Lueg steigen wir auf 6.500 Fuß, das „Venturi Rohr“ mit schroffen Bergwänden links und rechts nähert sich, was ich allerdings nur aus Erfahrung weiß, denn es wabert uns eine weiß-gräuliche Wolkenmasse entgegen, auf die ich sorgenvoll hinweise. Der Fluglehrer ist unberührt, für mich hängen da jedoch zahllose „Einfahrt verboten“ Schilder. Wie immer hat er aber recht, nach ein bisschen Tuff und Dunst ist kristallklare Sicht, und als wäre man durch eine Hundeklappe geflogen, ist hinter dem Pass eine andere Welt. Winterwonderland nämlich, meterweise Schnee, und von jedem erdenklichen Gipfelchen sehen wir Wedelspuren im Weiß. Ungläubig höre ich, dass Leute zu Fuß (!) da hochgehen und wieder runterfahren.

Jetzt fliegen wir über glatte Pisten, also Skipisten in diesem Fall, Hochkönig, herrlich, wenig los, lustig, die winzigen Skifahrer zu beobachten. Über dem Zeller See (halb zugefroren) geht’s dann in wirklich niedriger Höhe über die Schmittenalm, was die da wohl denken, über deren Köpfe wir gerade brausen.

Die Piste (jetzt: Runway) ist ausnahmsweise mal bestechend klar zu erkennen, schwarzer Streifen in weißem Feld. Schon wieder Crosswind, gute Landung, viel los. Wir holen eine zweite Maschine dort aus der Wartung ab, die schon seit Tagen fertig ist und mangels freiem Hangarplatz in dieser Eiseskälte bei Nebel und Schnee auf dem Vorfeld zu verrotten drohte. Der Fluglehrer wird ausgeladen, Flugplanaufgabe, und schon rollen wir hintereinander zum Start. Ich muss aufpassen, dass die Flügel beim Taxiing nicht plötzlich im Schneewall stecken, die Centerline ist momentan kein guter Ratgeber. Ja, NOTAM gelesen.

Der Tower verkündet, ich hätte einen lokalen Flugplan aufgegeben, er würde das mal für mich ändern. Na toll. Nicht dass mir das nicht schon einmal passiert wäre, LOWS, LOWZ, kann man mal verwechseln. Grrr. Auch nach dem Start wird nochmal durchgegeben, dass ich jetzt offiziell nach Salzburg fliegen könne, Dankeschön, ich bin ja froh, dass ich nicht nochmal aussteigen musste.

Herrlich ist es da oben, jetzt hab ich richtig Bock. Könnte da fröhlich rumdüsen, schaue mir Pisten an und die tollen Berge. Ein kleiner Schlenker, dann wieder Pass Lueg, erfreulicherweise hängt der Schleier weiter oben, somit sinke ich einfach durch den Pass durch, Hundeklappe, dann wieder grauere Gegend. Hallein von weitem anhand des dampfenden Schornsteins zu sehen, auch jetzt darf ich hier wieder 10 Minuten rumkreiseln, Verkehr von allen Richtungen, auch in meine. Ein Airbus macht die enge Kurve im Tal und steigt kerzengerade davon.

Mir wird kalt, die dämliche Heizung heizt nicht, wahrscheinlich hab ich zuviel Carburator Heat an, weil ich in meiner Langeweile Langsamflug übe. Jetzt über Sierra Kurs auf Piste, ich sehe einen Learjet im Landeanflug kräftig in meine Richtung leuchten, ich trödel so gut es geht, auch wenn der Tower mir schon ein weiteres 360 in Aussicht gestellt hat.

Bin schon im Short Final, da rollt der Jet erst ab, Freigabe, Crosswind. Ich slippe wieder ein bisschen, vertüddel mich aber mit der Höhe und muss die Maschine dann ein bisschen runterfummeln, während vor mir auch noch der Christophorus Heli durch die Bahn kreuzt. Late Landing sage ich mal, schön war das nicht, aber interessant. So ein typischer Fall von mehreren Faktoren, nicht sauber zu Ende geslippt, dann zu viel Speed, nicht perfekt vorgehalten, on top eine Böe die alles durcheinander wirbelte, Maschine will nach dem Touchdown wieder steigen, weil zu schnell. Naja, trotzdem gut aufgesetzt, und was gelernt.

Am Hangar warten zwei steifgefrorene Menschen auf mich, der Fluglehrer hat einen Schüler aus dem Hut gezaubert, der in meine Maschine einsteigen möchte und mir in der klirrenden Kälte kaum noch die Hand schütteln kann. Zweite Flugstunde, tapfer, hoffentlich wirft er nicht hin. Ich fliege erst wieder bei über null Grad, entscheide ich noch auf dem Vorfeld, das ist ja nicht zum Aushalten. Im Pilotenraum schreibe ich mit kalten Fingern krakelige Zahlen in mein Flugbuch.

 

 

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